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Kiew: Alle verbliebenen Zivilisten aus Stahlwerk in Mariupol herausgeholt
Nach wochenlanger Belagerung sind in Mariupol ukrainischen Angaben zufolge die letzten verbliebenen Zivilisten aus dem Werk des Konzerns Asow-Stahl herausgeholt worden. "Alle Frauen, Kinder und älteren Menschen wurden evakuiert", erklärte Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk am Samstag. Russland setzte derweil seine Offensive in der Ukraine unvermindert fort. In Moskau hielt das Militär die Generalprobe für die Militärparade zum 77. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland ab.
In den vergangenen Tagen waren im Zuge von UN-geführten Einsätzen immer wieder Evakuierungen von Zivilisten aus dem Asow-Stahlwerk gelungen. Russland hatte dafür am Mittwochabend eine dreitägige Feuerpause angekündigt. Nach ukrainischen Angaben konnten so nun alle Zivilisten in Sicherheit gebracht werden, auch wenn das russische Militär die Feuerpause wiederholt gebrochen habe.
In dem Industriekomplex haben sich hunderte Soldaten verschanzt, es ist die letzte Bastion des ukrainischen Militärs in Mariupol. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Freitag, dass auch an Evakuierungsaktionen für die Soldaten gearbeitet werde.
Sollte das Stahlwerk schließlich fallen, hätten die Russen die strategisch wichtige Hafenstadt gänzlich eingenommen, was für Moskau ein wichtiger militärischer Erfolg wäre. Bislang steht mit Cherson lediglich eine bedeutende ukrainische Stadt völlig unter russischer Kontrolle.
Die ukrainischen Behörden befürchteten derweil rund um den 9. Mai vermehrt russische Angriffe. "In den nächsten Tagen besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit von Raketenangriffen in allen Landesteilen", erklärte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. Er rief die Bürger auf, alle Sicherheitsregeln zu befolgen. Die Bürgermeister von Odessa und Poltawa kündigten eine Ausgangssperre für Sonntag und Montag an.
Seit Freitag seien Angriffe aus der Nähe von Charkiw im Norden, aus der südukrainischen Stadt Mykolajiw und aus der Region Donezk im Osten gemeldet worden, teilte das ukrainische Verteidigungsministerium weiter mit. In der Region Charkiw hätten die russischen Truppen drei Straßenbrücken zerstört, um ukrainische Gegenangriffe aufzuhalten. Die ukrainisch kontrollierte Stadt Sewerodonezk in der östlichen Region Luhansk war nach Angaben ihres Bürgermeisters vom Freitag "praktisch umstellt".
Ukrainischen Rettungsdiensten zufolge wurde in Kostjantyniwka in der Region Donezk eine Technische Hochschule von einer Rakete getroffen und in Brand gesetzt. Mindestens zwei Menschen seien getötet worden. Entlang der Frontlinie gab es nach Behördenangaben "massive Bombenangriffe".
Die ukrainische Armee teilte auf Facebook mit, ein russisches Landungsboot nahe der Schlangeninsel im Schwarzen Meer zerstört zu haben. Der Angriff sei mit einer türkischen Kampfdrohne Bayraktar TB2 erfolgt. Nach britischen Geheimdienstangaben gelang es ukrainischen Streitkräften zudem, mit hochmodernen Waffen westlicher Verbündeter mindestens einen modernen Panzer der russischen Armee vom Typ T-90M zu zerstören.
Am 9. Mai werden tausende Soldaten über den Roten Platz marschieren, gefolgt von Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und Raketenwerfern und begleitet von einer Flugshow. Die Parade soll militärische Stärke demonstrieren, während die russische Militäroffensive in der Ukraine deutlich länger dauert als erwartet und Mängel der russischen Streitkräfte offengelegt hat.
Präsident Wladimir Putin wird eine mit Spannung erwartete Rede halten, in der er neue Warnungen an den Westen richten dürfte. Westliche Beobachter halten es für möglich, dass er der Ukraine offiziell den Krieg erklärt oder eine Generalmobilmachung verkündet, auch wenn der Kreml entsprechende Pläne bislang als "Unsinn" zurückgewiesen hat.
Die Europarats-Kommissarin für Menschenrechte, Dunja Mijatovic, verurteilte nach einem viertägigen Besuch in Kiew und Umgebung "schwindelerregende" Verletzungen der Menschenrechte und des Völkerrechts durch die russische Armee in der Ukraine.
T.Wright--AT