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Bangladesch: Studenten für Nobelpreisträger Yunus als Chef von Übergangsregierung
Nach der Flucht von Regierungschefin Scheich Hasina aus Bangladesch infolge wochenlanger Massenproteste haben sich Anführer der Studentenproteste für den Nobelpreisträger Muhammad Yunus als Chef einer neuen Übergangsregierung ausgesprochen. Yunus genieße "breite Akzeptanz", erklärte die Bewegung Studenten gegen Diskriminierung (SAD). Armeechef Waker-Uz-Zaman wollte am Dienstag mit den Studenten über den Vorschlag beraten. Unterdessen löste der Präsident das Parlament auf und die Oppositionsführerin Khaleda Zia kam aus dem Hausarrest frei.
Der "international anerkannte" Yunus, "der breite Akzeptanz genießt, könnte leitender Berater einer Interimsregierung sein", sagte Nahid Islam, Anführer der Studentenvereinigung SAD, in einer Videobotschaft. "Wir vertrauen Dr. Yunus", erklärte Asif Mahmud, ein weiterer SAD-Anführer.
Die seit 15 Jahren herrschende Scheich Hasina war am Montag aus dem südasiatischen Land geflohen. Armeechef Waker-Uz-Zaman kündigte die Bildung einer Übergangsregierung an. "Es ist Zeit, der Gewalt ein Ende zu setzen", hob der Armeechef hervor.
Bei den gewaltsamen Protesten gegen die Regierung von Hasina waren allein am Montag mindestens 113 Menschen getötet worden. Es war der blutigste Tag seit Beginn der Massenproteste Anfang Juli. Nach AFP vorliegenden Zahlen wurden insgesamt mindestens 413 Menschen getötet.
Ursprünglich waren die Demonstranten gegen eine Quotenregelung für die Vergabe von Jobs im öffentlichen Dienst auf die Straße gegangen, die ihrer Ansicht nach Unterstützer von Hasina bevorzugte. Nach und nach wurde dann der Rücktritt der seit 2009 amtierenden Regierungschefin das Ziel der Protestbewegung, der sich immer mehr Menschen aus allen Bevölkerungsschichten anschlossen.
Mit der Auflösung des Parlaments kam Präsident Mohammed Shahabuddin einer zentralen Forderung der Studenten und der wichtigsten Oppositionspartei Bangladesh National Party (BNP) nach. Kurz vor der Bekanntmachung zur Auflösung des Parlaments wurde die Oppositionsführerin und ehemalige Premierministerin Khaleda Zia aus dem Hausarrest freigelassen. "Sie ist jetzt frei", sagte der Sprecher der BNP, A.K.M Wahiduzzaman. Die Partei forderte Neuwahlen binnen drei Monaten.
Die 78-jährige Zia ist eine erbitterte Rivalin von Hasina. Die Politikerin war 2018 wegen Korruption verurteilt und inhaftiert worden, bevor sie wegen Krankheit unter Hausarrest gestellt wurde. Die Familien beider Frauen bestimmen die Politik Bangladeschs seit der Unabhängigkeit im Jahr 1971.
Der heute 84-jährige Yunus hatte in den 1980er Jahren die Grameen Bank gegründet, die Mikrokredite an die ärmsten Menschen in Bangladesch vergibt. 2006 wurde dem Wirtschaftswissenschaftler dafür der Friedensnobelpreis verliehen.
Den Wunsch der Studenten, ihn zum Übergangsregierungschef zu machen, kommentierte Yunus zunächst nicht, der indischen Zeitung "The Print" sagte er jedoch, Bangladesch sei unter Hasina "ein besetztes Land"gewesen. "Heute fühlen sich alle Menschen in Bangladesch befreit."
Die 76-jährige Hasina war im Januar in einer umstrittenen Wahl im Amt bestätigt worden. Ihrer Regierung wurden unter anderem der Missbrauch staatlicher Institutionen zum eigenen Machterhalt und die Unterdrückung von Regierungskritikern vorgeworfen - bis hin zur außergerichtlichen Tötung Oppositioneller.
In den vergangenen Wochen gingen Millionen Menschen auf die Straße und forderten ihren Rücktritt. Dabei kam es zu Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung, zudem schossen Sicherheitskräfte mit Gewehren in die Menge.
Wichtige Polizeigewerkschaften verkündeten am Dienstag einen Streik, "bis die Sicherheit jedes Polizeiangehörigen sichergestellt ist". Zugleich baten sie um "Entschuldigung" für das Vorgehen der Polizei gegen die Demonstrierenden.
Vor einem Gebäude des Militärgeheimdienstes in Dhaka warteten unterdessen Mütter von einigen der vielen hundert politischen Gefangenen, die unter Hasina heimlich inhaftiert worden waren. Auf den Straßen der Hauptstadt beruhigte sich derweil die Lage.
Indiens Außenminister S. Jaishankar bestätigte, dass Hasina nach Indien geflohen sei, und fügte hinzu, sein Land bleibe "tief besorgt", bis "Recht und Ordnung" in Bangladesch "erkennbar" wieder hergestellt seien.
A.Clark--AT