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Israel: Mindestens zwölf Kinder und Jugendliche sterben bei Raketenangriff auf Golanhöhen
Der Einschlag einer aus dem Libanon abgefeuerten Rakete auf den Golanhöhen hat nach israelischen Angaben mindestens zwölf Kinder und Jugendliche getötet - und die israelische Regierung zur Ankündigung einer harten militärischen Reaktion gegen die Hisbollah-Miliz veranlasst. Das Geschoss schlug am Samstag auf dem Fußballfeld des von Drusen bewohnten Dorfes Madschdal Schams ein. Die israelische Armee beschuldigte die islamistische Hisbollah, die vom Iran unterstützte Miliz bestreitet jede Verantwortung. EU und UNO riefen alle Seiten zur Zurückhaltung auf.
Nach Angaben des israelischen Rettungsdiensts Magen David Adom wurden 20 weitere Jugendliche bei dem Angriff verletzt. "Hisbollah-Terroristen haben heute Kinder brutal angegriffen und ermordet, deren einziges Verbrechen es war, zum Fußballspielen rauszugehen. Sie sind nicht zurückgekehrt", erklärte der israelische Präsident Isaac Herzog. Der Sprecher der israelischen Armee, Daniel Hagari, sprach vom "tödlichsten Angriff gegen israelische Zivilisten seit dem 7. Oktober".
Die israelischen Drusen leben vor allem im Norden Israels in Galiläa und im Karmelgebirge. Auf den von Israel annektierten Golanhöhen leben rund 23.000 Drusen. Nach der israelischen Besetzung des Golan 1967 verblieben sie vor Ort verblieben. Die eigenständige arabischsprachige Religionsgemeinschaft entstand aus einer Abspaltung vom schiitischen Islam und siedelt heute vor allem in Israel, Syrien, im Libanon und in Jordanien.
Der Raketenbeschuss ereignete sich, nachdem im Südlibanon vier Hisbollah-Kämpfer bei einem israelischen Angriff getötet worden waren - woraufhin die vom Iran unterstützte bewaffnete Miliz Vergeltungsattacken auf die Golanhöhen und Nordisrael ankündigte.
Später gab die Hisbollah an, ein Dutzend Vergeltungsangriffe auf israelische Ziele verübt zu haben - insgesamt neun Angriffe innerhalb von zwei Stunden. Eine Verantwortung für den Raketeneinschlag in Madschdal Schams wies sie aber umgehend zurück. "Der Islamische Widerstand hat keine Verbindung zu diesem Vorfall", gab die Hisbollah in Bezug auf ihren militärischen Flügel an.
Der israelische Militärsprecher Hagari erklärte in der Nacht auf Sonntag indes, das in Madschdal Schams eingeschlagene Geschoss sei eine Falak-1-Rakete iranischer Bauart mit einem 50 Kilogramm schweren Sprengkopf. Dieses Modell befinde sich "ausschließlich im Eigentum der Hisbollah".
Die israelische Regierung kündigte eine harte militärische Antwort auf den Angriff an. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte laut einer Erklärung seines Büros zu einem örtlichen Gemeindesprecher, Israel werde den "mörderischen Angriff nicht unbeantwortet lassen", die Hisbollah werde dafür einen "Preis" zahlen, den sie "noch nie zuvor gezahlt hat". Militärsprecher Hagari sagte, es gehe "um die drusische Gemeinschaft, um israelische Bürger (...)" und ergänzte: "Wir werden die Bürger Israels und die drusische Gemeinschaft verteidigen."
Netanjahu kehrte nach dem Angriff umgehend von seinem mehrtägigen Besuch in den USA zurück. Später erklärte er, er werde sich nach seiner Rückkehr nach Israel mit seinem Sicherheitskabinett besprechen.
Wenige Stunden nach dem Angriff feuerte nach Angaben aus libanesischen Sicherheitskreisen eine israelische Drohne zwei Raketen auf das Dorf Taraijja im Osten des Libanon ab. Dabei wurden demnach ein Hangar und ein Wohnhaus getroffen, Menschen seien nicht zu Schaden gekommen.
Die US-Regierung bekräftigte nach dem tödlichen Angriff, ihre "Unterstützung für die Sicherheit Israels" sei "eisern und unerschütterlich". Dies gelte "gegenüber allen Terrorgruppen, einschließlich der libanesischen Hisbollah" und sei von "höchster Priorität", sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats in Washington.
Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell schrieb in einer Erklärung zu dem Angriff auf die drusische Ortschaft im Onlinedienst X von "schockierenden Bildern" und fügte an: "Wir brauchen eine unabhängige internationale Untersuchung dieses inakzeptablen Vorfalls." Die Hisbollah erwähnte er nicht, forderte aber alle "Parteien dringend auf, äußerste Zurückhaltung zu üben und eine weitere Eskalation zu vermeiden".
Auch die UNO rief nach dem Angriff zu "größter Zurückhaltung" auf. In einer gemeinsamen Erklärung der UN-Sonderbeauftragten für den Libanon, Jeanine Hennis-Plasschaert, und des Befehlshabers der UN-Friedenstruppe im Libanon (Unifil), Aroldo Lázaro, hieß es, verschärfte Schusswechsel könnten "einen größeren Flächenbrand auslösen, der die gesamte Region in eine unvorstellbare Katastrophe stürzen würde".
Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen feuert die mit der Hamas verbündete Hisbollah aus dem Libanon fast täglich Raketen auf den Norden Israels ab. Seit Monaten können Zehntausende Evakuierte nicht in ihre Häuser zurück.
Die libanesische Regierung verurteilte indes "alle Akte der Gewalt und Aggression gegen Zivilisten". "Zivilisten anzugreifen ist ein eklatanter Verstoß gegen das Völkerrecht und widerspricht den Grundsätzen der Menschlichkeit", hieß es.
Der Krieg im Gazastreifen dauert mittlerweile seit mehr als neun Monaten an. Ausgelöst wurde er durch den beispiellosen Angriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober. Dabei wurden israelischen Angaben zufolge 1197 Menschen teils brutal getötet und mehr als 251 als Geiseln verschleppt. Israel geht seitdem militärisch massiv gegen Ziele im Gazastreifen vor. Nach Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden bislang mehr als 39.250 Menschen getötet.
Ch.Campbell--AT