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Belarus wirft Polen Bedrohung der Wisente an gemeinsamer Grenze vor
Belarus hat seinem Nachbarn Polen vorgeworfen, mit der Errichtung eines Grenzzauns mitten durch das Schutzgebiet für Wisente deren Überleben zu gefährden. Die künstlichen Barrieren durch den Bialowieza-Urwald führten dazu, dass die Herden der Europäischen Bisons voneinander getrennt würden und die jetzt schon geringe Vielfalt ihrer Gene durch Inzucht weiter verarmte, erklärte das belarussische Außenministerium am Freitag.
Ein Sprecher des polnischen Außenministeriums wies den Vorwurf zurück. Der Gen-Pool der Wisente sei de facto schon jetzt sehr begrenzt, da sie allesamt von den wenigen Tieren aus den 1920er Jahren abstammten, sagte Lukasz Jasina der Nachrichtenagentur AFP. Der Grenzzaun stelle "unseres Wissens nach keine nennenswerte und nicht einmal eine minimale Bedrohung für die Wisentpopulationen dar". Jasina bezeichnete den Vorwurf als Versuch von Seiten Minsks, "die Tatsachen zu verdrehen".
Freilebende Wisente waren in den 1920er Jahren ausgestorben. Alle heute lebenden Tiere stammen von in Zoos und Tiergehegen gehaltenen Wisenten ab, die in den 50er Jahren im Gebiet des heutigen Nationalparks Bialowieza (russisch Beloweschskaja Puschtscha) an der polnisch-belarussischen Grenze ausgewildert werden konnten. Inzwischen leben dort rund 1400 Tiere, deren geringe genetische Vielfalt aber ihren langfristigen Erhalt gefährden könnte.
Die Beziehungen zwischen Polen und Belarus sind derzeit aufgrund der politischen Repressionen durch Minsk, Spannungen bei der Migration sowie der russischen Invasion in der Ukraine äußerst gespannt. Im Jahr 2021 beschuldigte Warschau die Führung in Minsk, die illegale Einreise von zehntausenden Migranten auf polnisches Gebiet organisiert zu haben, um Druck auf die Europäische Union auszuüben. Als Reaktion errichtete Polen einen Stahlzaun entlang seiner Grenze mit Belarus.
W.Moreno--AT