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Weiterer belgischer Europaabgeordneter ließ sich nach Katar einladen
Der belgische Europaabgeordnete Marc Tarabella hat sich nach Katar einladen lassen. Er habe im Februar 2020 eine von dem Emirat bezahlte Reise nach Katar gemacht und diese dem Europäischen Parlament nicht wie vorgeschrieben gemeldet, sagte sein Anwalt Maxim Töller am Sonntag im belgischen Sender RTL.
Der sozialdemokratische Abgeordnete Tarabella gilt als enger Vertrauter des ehemaligen italienischen Europaabgeordneten Pier-Antonio Panzeri, der im Zentrum des EU-Korruptionsskandals wegen mutmaßlicher Einflussnahme durch den WM-Gastgeber Katar steht. Bei Panzeri waren 600.000 Euro in bar beschlagnahmt worden.
Tarabella bestritt jegliche Verwicklung in den Fall, räumte nun jedoch ein, dass er auf Kosten des Emirats nach Katar gereist ist. Er sei zu einem Kongress eingeladen gewesen und die Organisatoren hätten die Kosten übernommen, sagte sein Anwalt. Eine Mitarbeiterin habe ihn zwar daran erinnert, die Reise offen zu legen, die Frist sei aber schon abgelaufen, sagte Töller.
Es sei "nicht illegal, eine Reise von einer Organisation bezahlen zu lassen", betonte der Anwalt. Tarabella sei nach Katar gereist, um für die Fußball-WM gebaute Stadien zu besichtigen und "Arbeiter zu treffen".
Tarabella hatte im November im Europaparlament die "positive Entwicklung" der Menschenrechte in Katar hervorgehoben - im Namen der "Realpolitik" und als "Ermutigung", wie sein Anwalt sagte. Es sei zudem möglich, dass der Italiener Panzeri seinem Freund Tarabella geraten habe, "etwas Bestimmtes zu sagen", ohne dass dieser sich bewusst gewesen sei, dass der italienische Abgeordnete "ihre Freundschaft zu Geld gemacht hat", sagte der Anwalt.
Am Mittwoch hatte bereits die belgische Europaabgeordnete Marie Arena eingeräumt, eine von Katar bezahlte Dienstreise im Mai 2022 nicht gemeldet zu haben. Sie machte dafür ihr Sekretariat und ein "kompliziertes Dokument" verantwortlich. Arena gab daraufhin ihren Vorsitz im Ausschuss für Menschenrechte auf.
Am Montag will die Präsidentin des Europaparlaments, Roberta Metsola, strengere Regeln gegen Bestechung vorstellen. Ihr 14-Punkte-Plan gegen Korruption sieht unter anderem die Offenlegung von Treffen zwischen Abgeordneten und Mitarbeitern mit Lobbyisten vor. Außerdem sollen ehemalige Abgeordnete nicht länger einen dauerhaft gültigen Zugangsausweis zum Parlament bekommen und auch anderen Menschen Zugang verschaffen dürfen.
A.Williams--AT