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Mindestens 30 Tote bei russischen Angriffen auf Wohnhaus in Dnipro
Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind am Wochenende allein in der Stadt Dnipro mindestens 30 Menschen getötet worden. Die Rettungsarbeiten dauerten am Sonntag noch an, dutzende Menschen wurden noch unter den Trümmern vermutet, wie die Behörden der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk mitteilten. Großbritannien kündigte unterdessen als erstes Land die Lieferung schwerer Kampfpanzer an Kiew an. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, er erwarte "schon in naher Zukunft" weitere Waffenlieferungen.
In Dnipro traf nach ukrainischen Angaben am Samstag ein russischer Marschflugkörper ein neunstöckiges Hochhaus. Bis Sonntagabend stieg die Zahl der Todesopfer auf 30, wie die Militärverwaltung von Dnipropetrowsk mitteilte. "Zwischen 30 und 40 Menschen liegen immer noch unter den Trümmern", sagte Natalia Babaschenko von der Militärverwaltung im ukrainischen Fernsehen. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt.
Ein vom ukrainischen Rettungsdienst veröffentlichtes Video zeigte Rettungskräfte, die im Dunkeln in dem zerstörten Gebäude nach Überlebenden suchten. Bis Sonntag wurden 40 Verschüttete befreit.
Der Angriff in Dnipro zerstörte Dutzende Wohnungen. Nach Angaben des Präsidialamtes in Kiew wurden 100 bis 200 Menschen durch den Beschuss des Wohnhauses obdachlos. Etwa 1700 Menschen in der Stadt seien nach dem Angriff von der Strom- und Wärmeversorgung abgeschnitten.
Bei dem Beschuss am Wochenende handelte es sich um die insgesamt zwölfte Welle massiver russischer Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur. In der südlich von Dnipro gelegenen Stadt Krywyji Rih wurde nach offiziellen Angaben ein Mensch beim Beschuss von Wohnhäusern getötet, ein weiterer Mensch wurde verletzt. Ein weiterer schwerer Angriff traf die südliche Region Cherson. Wie der Gouverneur Jaroslaw Januschewitsch mitteilte, wurden neben Infrastruktur auch Räumlichkeiten des Roten Kreuzes getroffen. Es gab demnach sieben Verletzte.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in einer Videoansprache, die ukrainische Armee habe am Samstag mehr als 20 von insgesamt 30 russischen Raketen abgeschossen. Der ukrainische Energieminister German Galuschenko erklärte, es sei in den "meisten Regionen" des Landes zu Notabschaltungen des Stromnetzes gekommen. Die Angriffe trafen demnach die Regionen Charkiw, Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Saporischschja, Winnyzia und Kiew.
Am Sonntag erklärte der Netzbetreiber Ukrenergo, die Infrastruktur werde "wieder instandgesetzt". Die Angriffe hätten die Energieversorgung jedoch weiter geschwächt, die Stromausfälle könnten zunehmen.
Großbritannien stellt der Ukraine derweil als erster westlicher Verbündeter schwere Kampfpanzer zur Verfügung. Premierminister Rishi Sunak kündigte die Lieferung von 14 schweren Kampfpanzern vom Typ Challenger 2 sowie zusätzlicher Artilleriesysteme am Samstag in einem Telefongespräch mit Selenskyj an. Die russische Botschaft in Großbritannien warnte daraufhin, die Lieferung werde den Konflikt nur "intensivieren".
Selenskyj begrüßte die britische Entscheidung dagegen. Sie werde nicht nur die Ukraine "auf dem Schlachtfeld stärken", sondern sende auch "das richtige Signal an andere Partner", schrieb er auf Twitter. Durch die Zusage Sunaks wächst der Druck auf Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), ebenfalls Kampfpanzer in die Ukraine zu schicken. "Militärische Unterstützung für die Ukraine ist der schnellste Weg zum Frieden", drängte auch Stoltenberg im "Handelsblatt" zum Handeln.
Russlands Präsident Wladimir Putin lobte unterdessen die "positive Dynamik" des russischen Angriffs auf die Ukraine. Alles entwickle sich "entsprechend der Pläne", sagte er im russischen Fernsehen. Moskau hatte am Freitag die Einnahme der ostukrainischen Stadt Soledar verkündet - eine Darstellung, der die Ukraine widerspricht.
Nach Monaten der Enttäuschungen auf dem Schlachtfeld präsentiert Moskau die mögliche Eroberung der Kleinstadt als großen Sieg. Der Chef der russischen Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, betonte erneut, dieser sei das Verdienst seiner Kämpfer. Die "perfektionierte Kommandokette" und die "absolut strikte Disziplin" der Wagner-Truppe ermöglichten solche Erfolge.
O.Brown--AT