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London kündigt Lieferung schwerer Kampfpanzer an die Ukraine an
Großbritannien hat die Lieferung schwerer Kampfpanzer an die Ukraine angekündigt. Die Bereitstellung der Panzer vom Typ Challenger 2 sowie zusätzlicher Artilleriesysteme solle der ukrainischen Armee dabei helfen, "die russischen Truppen zurückzudrängen", sagte Premierminister Rishi Sunak am Samstag. Die britische Entscheidung verstärkt den Druck auf die Bundesregierung, ebenfalls Kampfpanzer zu liefern. Die Ukraine meldete derweil erneut russische Raketenangriffe auf die Energieinfrastruktur im Land.
Sunak kündigte die Lieferung der Panzer in einem Telefongespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an. Großbritannien ist damit das erste Land, das der Ukraine schwere Kampfpanzer liefert. Britischen Medienberichten zufolge sollen vier Panzer sofort geliefert werden, acht weitere sollen kurzfristig folgen.
Selenskyj begrüßte die britische Entscheidung. Sie werde nicht nur die Ukraine "auf dem Schlachtfeld stärken", sondern sende auch "das richtige Signal an andere Partner", schrieb er auf Twitter.
Durch die Zusage Sunaks wächst der Druck auf Kanzler Olaf Scholz (SPD), ebenfalls Kampfpanzer in die Ukraine zu schicken. Der Leopard 2 sei "der am weitesten in Europa verbreitete Kampfpanzer", sagte Grünen-Politiker Anton Hofreiter dem Nachrichtenportal t-online. Es seien genug Möglichkeiten zur Wartung und ausreichend Munition vorhanden. "Daher liegt es auf der Hand, jetzt auf unsere europäischen Partner zuzugehen und gemeinsam der Ukraine Leopard 2 zur Verfügung zu stellen", sagte Hofreiter.
Polen hatte am Mittwoch seine Bereitschaft erklärt, der Ukraine im Rahmen einer internationalen Koalition 14 Leopard 2-Kampfpanzer bereitzustellen. Dafür wäre allerdings eine Genehmigung vom Herstellerland Deutschland nötig.
Vergangene Woche hatten Frankreich, Deutschland und die USA die Entsendung von 40 deutschen Marder-Schützenpanzern, 50 Bradley-Schützenpanzern sowie französischen Panzern vom Typ AMX-10 RC - leichte Kampfpanzer - zugesagt. Weitere Lieferungen könnten am kommenden Freitag beim nächsten Treffen der Verbündeten der Ukraine in Ramstein zugesagt werden.
Aus der Ukraine wurden am Samstag erneut russische Raketenangriffe in mehreren Teilen des Landes gemeldet. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten von Explosionen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew am Samstagmorgen. In der Region Charkiw im Nordosten startete "der Feind einen weiteren Raketenangriff auf wichtige Infrastruktur", sagte der Gouverneur der Region, Oleg Synegubow. Es könne zu Stromausfällen kommen. Auch aus der südlichen Region Saporischschja sowie aus Tscherkassy im Zentrum des Landes wurden Angriffe gemeldet.
Die Ukraine widersprach am Samstag erneut der Darstellung Russlands, wonach die ostukrainische Kleinstadt Soledar von russischen Truppen erobert worden sei. "Soledar wird von den ukrainischen Behörden kontrolliert, unser Militär kontrolliert es", sagte Regionalgouverneur Pawlo Kyrylenko im Staatsfernsehen. Es gebe weiterhin Kämpfe "in und außerhalb der Stadt". Soledar und die nahegelegene Stadt Bachmut seien die "heißesten" Punkte an der Frontlinie.
Am Freitag hatte das russische Verteidigungsministerium die "Befreiung" von Soledar gemeldet. Zwei Tage zuvor hatte die russische Söldnertruppe Wagner erklärt, sie habe Soledar erobert. Die Angaben der Kriegsparteien lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.
Die Türkei schlug am Samstag "lokale Waffenruhen" in der Ukraine vor, da ein umfassenderes Friedensabkommen derzeit unrealistisch sei, wie Ibrahim Kalin, ein enger Berater von Präsident Recep Tayyip Erdogan, sagte. Die Türkei war in der Vergangenheit zwischen Russland und der Ukraine aufgetreten, etwa beim Abkommen zu Getreideexporten aus ukrainischen Häfen über das Schwarze Meer.
M.O.Allen--AT