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Mehr als 130 Tote bei Einsturz von Fußgängerbrücke im Westen Indiens
Mehr als 130 Menschen sind nach neuen Angaben beim Einsturz einer Fußgängerbrücke im Westen Indiens ums Leben gekommen. Unter den 137 Todesopfern seien etwa 50 Kinder, teilte die Polizei am Montag mit. Die Brücke in Morbi im Bundesstaat Gujarat war am Sonntag eingestürzt, als sich eine Menschenmenge zum Lichterfest Diwali auf ihr versammelt hatte. Die Polizei nahm mehrere Mitarbeiter der Baufirma in Gewahrsam, die die Brücke kürzlich renoviert hatte.
Nach Behördenangaben gaben Tragkabel der Brücke nach, als sich rund 500 Menschen auf oder an der Brücke befanden. Örtliche Medien zeigten Videos von Menschen, die sich verzweifelt an den Überresten der Brücke festklammerten oder versuchten, im Dunkeln an Land zu schwimmen. Die meisten der Opfer seien ertrunken, sagte ein Vertreter der örtlichen Behörden der Nachrichtenagentur AFP.
"Ich habe die Brücke vor meinen Augen einstürzen sehen", sagte ein Mann, der die ganze Nacht bei der Rettungsaktion mitarbeitete. "Es war traumatisch, als eine Frau mir ein Foto ihrer Tochter zeigte und fragte, ob ich sie gerettet hätte. Ich konnte ihr nicht sagen, dass ihre Tochter gestorben war."
Ein anderer Augenzeuge sprach davon, dass die Brücke "vollgepackt" gewesen sei. "Die Seile rissen und die Brücke stürzte in Sekundenbruchteilen herunter. Die Menschen fielen aufeinander und in den Fluss." In Indien können viele Menschen nicht schwimmen.
Rettungstaucher und -boote suchten bis spät in die Nacht und auch noch tagsüber am Montag nach Vermissten. Dutzende Soldaten der indischen Armee und Marine wurden ebenfalls zum Einsatz gerufen.
Die aus der britischen Kolonialzeit stammende, 233 Meter lange und 1,50 Meter breite Hängebrücke über den Fluss Machchhu ist ein beliebtes Touristenziel und war nach siebenmonatigen Reparaturarbeiten erst vor einigen Tagen wieder geöffnet worden. Sandeepsinh Jhala von der Stadtverwaltung von Morbi erklärte, die 1880 eingeweihte Brücke habe nach ihrer erst kürzlich abgeschlossenen Renovierung kein gültiges Sicherheitszertifikat gehabt.
Die örtliche Polizei leitete eine Untersuchung gegen den Bauunternehmer ein, wie der ranghohe Polizeivertreter Ashok Kumar Yadav sagte. Am Montag nahm die Polizei mehrere Mitarbeiter der Baufirma zur Befragung in Gewahrsam.
Der indische Regierungschef Narendra Modi, der sich zum Zeitpunkt des Unglücks auf einer Reise durch seinen Heimatstaat Gujarat befand, kündigte Entschädigungen für die Hinterbliebenen der Todesopfer sowie für die Verletzten an. Die Betroffenen sollten "jede mögliche Hilfe" erhalten, erklärte sein Büro auf Twitter. Für Dienstag kündigte der Regierungschef einen Besuch des Unglücksortes an.
Die Regierungen von Ländern wie Großbritannien, Japan und Russland sprachen Indien wegen des Unglücks ihr Beileid aus. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell kondolierte den Betroffenen und ganz Indien im Namen der EU. Er sei "tieftraurig über den tragischen Verlust von Menschenleben" bei dem Brückeneinsturz in Morbi, schrieb er im Onlinedienst Twitter.
Unglücke aufgrund alter und schlecht gewarteter Infrastruktur sind häufig in Indien. Beim Einsturz einer Hochstraße waren 2016 in Kalkutta 26 Menschen ums Leben gekommen. 2011 starben mindestens 32 Menschen im Nordosten des Landes, als ein Feiertagsgedränge eine Brücke zum Einsturz brachte.
P.Smith--AT