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Mehr als 150 Tote bei Halloween-Massenpanik in Seoul
Es sollte ein ausgelassenes Halloween-Fest werden - und endete in der Katastrophe: Bei einer Massenpanik in Seoul sind am Wochenende mehr als 150 Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Unter den Todesopfern waren auch 20 Ausländer, nach Angaben des Auswärtigen Amtes vom Sonntag aber keine Deutschen. Experten kritisierten, dass zu wenig Polizei in der südkoreanischen Hauptstadt vor Ort war.
Rund 100.000 vor allem junge Menschen hatten sich am Samstagabend zu den ersten Halloween-Feiern seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 in den engen Straßen des Ausgehviertels Itaewon versammelt. Dabei entstand gegen 22.00 Uhr (Ortszeit) eine Massenpanik: "Es gab so viele Menschen, die herumgeschubst wurden, und ich wurde in der Menge eingeklemmt und konnte zuerst auch nicht heraus", berichtete der 30-jährige Jeon Ga Eul der Nachrichtenagentur AFP.
Auf online geteilten Videos war zu sehen, wie die Menge zunehmend in Panik geriet, als Menschen in eine enge, bergab führende Gasse drängten, die bereits mit Feiernden vollgestopft war. "Die Leute konnten sich nicht vorwärts bewegen und drängten und drängten, und es war ein steiler Hügel, so dass die Leute übereinander fielen und zusammenbrachen", sagte der 30-jährige Jarmil Taylor der AFP. Ladenbesitzer berichteten, dass die Menschenmenge in diesem Jahr "beispiellos groß" gewesen sei.
Fotos und Videos zeigten Menschen, die am Boden lagen und von Rettungskräften betreut wurden. Polizisten sperrten den Unglücksort in dem beliebten Ausgehviertel nach der Katastrophe weiträumig ab. Die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete unter Berufung auf die Feuerwehr, dass die Mehrzahl der Todesopfer Frauen seien. Die getöteten Ausländer seien unter anderem aus dem Iran, Norwegen und China gekommen. Das Innenministerium bezifferte die Zahl der Verletzten mit 150.
In einem Interview mit dem Lokalsender YTN beschrieb ein Arzt chaotische Szenen. "Als ich zum ersten Mal Wiederbelebungsmaßnahmen versuchte, lagen zwei Opfer auf dem Bürgersteig. Aber kurz darauf explodierte die Anzahl der Verletzten und übertraf die Anzahl der Ersthelfer vor Ort." Es sei schwer, die Geschehnisse in Worte zu fassen, sagte der Arzt. "Die Gesichter so vieler Opfer waren blass. Ich konnte ihren Puls oder Atmung nicht fühlen."
Experten kritisierten, dass zu wenige Polizisten vor Ort gewesen seien. Ersthelfer hätten daher anfangs Schwierigkeiten gehabt, durch die überfüllten Gassen zu den Opfern zu gelangen. Diese Verzögerung war laut Experten kritisch, da viele Opfer mit einem Herzstillstand demnach das entscheidende "Vier-Minuten-Fenster" überschritten haben könnten, bevor Hilfe eintraf.
Dem südkoreanischen Innenministerium zufolge erforderte jedoch eine Demonstration in einem anderen Stadtteil eine erhöhte Polizeipräsenz, so dass viele Beamte dort und nicht in Itaewon im Einsatz waren. Für die Halloween-Veranstaltung waren nach Polizeiangaben nur 200 Beamte vorgesehen. "Dies ist eine von Menschen verursachte Katastrophe, die durch mangelndes Sicherheitsbewusstsein ausgelöst wurde", sagte der Experte Shin Dong Min dem Sender YTN.
Der südkoreanische Präsident Yoon Suk Yeol rief am Sonntag Staatstrauer aus. Er versprach, den Vorfall "gründlich zu untersuchen" und sicherzustellen, dass so etwas nie wieder passiere. Am Morgen besuchte er den Ort des Geschehens.
Das Unglück rief weltweit Bestürzung hervor. Junge Menschen, die das Leben feierten, seien jäh aus ihrem Leben gerissen worden, schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Beileidsbekundung. "Für ihre Familien und Freunden ist das ein unfassbarer Verlust und Schmerz." Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), US-Präsident Joe Biden und andere Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erklärten sich mit den trauernden Südkoreanern verbunden.
M.White--AT