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Flugdatenschreiber nach Flugzeugabsturz in Indien gefunden - 265 Tote geborgen
Nach dem Absturz einer Air-India-Maschine im westindischen Ahmedabad ist einer der beiden Flugschreiber gefunden worden. Der Fund des Flugdatenschreibers sei "ein wichtiger Schritt bei den Ermittlungen zur Unglücksursache", erklärte der indische Luftfahrtminister Ram Mohan Naidu Kinjarapu am Freitag. Wie die örtliche Polizei mitteilte, wurden bislang 265 Todesopfer geborgen, von denen mindestens 24 nicht an Bord des Flugzeugs gewesen waren. Der einzige überlebende Passagier schilderte von seinem Krankenbett, wie er dem Tod entkam.
Der Flugdatenschreiber speichert Daten wie Flughöhe, Geschwindigkeit und Kurs der Maschine. Nun fehlt noch der Stimmenrekorder, der die Kommunikation zwischen den Piloten und den Fluglotsen aufzeichnet. Zur Aufklärung der Absturzursache wurden auch britische und US-Ermittler nach Indien entsandt.
Das Flugzeug vom Typ Boeing 787-8 Dreamliner, das von Ahmedabad nach London fliegen sollte, war am Donnerstag kurz nach seinem Start außerhalb des Flughafengeländes in ein Wohngebiet gestürzt. Auf in Online-Netzwerken veröffentlichen Videos war zu sehen, wie die Maschine mit nach oben gerichteter Nase schnell an Höhe verlor, in ein Gebäude krachte und in einem Feuerball explodierte.
Rettungsteams mit Spürhunden suchten am Freitag in den Trümmern nach möglichen weiteren Opfern. Nach Polizeiangaben wurden bislang 265 Todesopfer aus dem Flugzeugwrack sowie aus den Gebäuden geborgen, in die die Maschine gekracht war. Unter den Toten sind demnach mindestens 24 Menschen, die nicht an Bord des Flugzeugs gewesen waren.
Bei den 230 Passagieren des Fluges AI-171 handelte sich laut Air India um 169 Inder, 53 Briten, sieben Portugiesen und einen Kanadier. Zudem waren demnach zwölf Besatzungsmitglieder an Bord. Nur ein Insasse des Flugzeugs überlebte den Absturz, er wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Von dort schilderte der indischstämmige Brite, wie er den Absturz erlebte. Er könne es selbst "überhaupt nicht glauben, wie es mir gelungen ist, da lebend rauszukommen", sagte der 40-jährige Vishwash Kumar Ramesh dem indischen Sender DD News. Schon "eine Minute nach dem Start" habe es sich angefühlt, als ob etwas nicht stimme. Dann sei die Air-India-Maschine schnell auf ein Gebäude zugeflogen und hineingekracht.
"Zuerst dachte ich auch, dass ich gleich sterben würde, aber als ich meine Augen öffnete, wurde mir klar, dass ich noch am Leben bin", schilderte Ramesh weiter. Videos, die in Onlinenetzwerken verbreitet wurden, zeigen ihn, wie er in einem blutverschmierten T-Shirt zu einem Krankenwagen humpelt.
Wegen Verbrennungen und anderer Verletzungen wurde der 40-Jährige ins Krankenhaus gebracht. Dort stattete der indische Regierungschef Narendra Modi ihm am Freitag einen Krankenbesuch ab. Außerdem besuchte der Premier den Absturzort.
Rameshs Familie schwankte nach dem Absturz zwischen Freude und Trauer, weil Vishwashs Bruder Ajay Kumar Ramesh starb. "Wir sind glücklich, dass Vishwash gerettet wurde, aber andererseits bricht uns das Herz wegen Ajay", sagte der 19-jährige Hiren Kantilal, ein Cousin der Brüder, in deren englischem Wohnort Leicester der Nachrichtenagentur AFP. Als Vishwashs Eltern ihn im Krankenhaus angerufen hätten, habe er gesagt: "Macht Euch um mich keine Sorgen, versucht Ajay Kumar zu finden."
In Ahemdabad kamen die ganze Nacht über Angehörige der Flugzeuginsassen zur medizinischen Fakultät Ahmedabad, um für einen Erbgutabgleich zur Identifizierung der Opfer eine DNA-Probe abzugeben. Ashfaque Nanabawa sagte, er komme wegen seines Cousins, dessen Frau und ihrer dreijährigen Tochter. Kurz vor dem Absturz habe er noch mit ihm telefoniert und er habe gesagt, dass das Boarding gut geklappt habe. "Das war sein letzter Anruf", fügte der Angehörige hinzu.
Eine Frau erzählte unter Tränen, dass ihr Schwiegersohn bei dem Absturz ums Leben gekommen sei - ihre Tochter dies aber noch nicht wisse. "Ich kann ihr die Nachricht nicht überbringen. Kann bitte jemand anderes das machen?", klagte sie.
Der Air-India-Mutterkonzern Tata kündigte an, den Hinterbliebenen zehn Millionen Rupien (101.000 Euro) pro Todesopfer zu zahlen.
Experten sagten, es sei noch zu früh, um die Absturzursache festzustellen. Der 787-8 Dreamliner sei so konzipiert, dass er auch mit einem Antrieb fliegen könne, sagte der Luftfahrtexperte Jason Knight von der University of Portsmouth. Die wahrscheinlichste Absturzursache sei daher der Ausfall beider Triebwerke, der wiederum am wahrscheinlichsten durch Vogelschlag verursacht worden sei.
F.Wilson--AT