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Mann verbrennt vor Moschee in Stockholm Seiten aus dem Koran
In einer Aufsehen erregenden Aktion hat am Mittwoch ein Mann vor Stockholms Haupt-Moschee einige Seiten des Koran verbrannt. Die Demonstration am ersten Tag des islamischen Opferfestes Eid al-Adha war zuvor von den Behörden genehmigt worden und verlief unter der Aufsicht der Polizei ruhig und ohne Zwischenfälle, wie AFP-Journalisten berichteten. Die Türkei verurteilte die Aktion umgehend als "verachtenswert" und "inakzeptabel" an.
Am Mittwoch, dem ersten Tag des islamischen Opferfestes Eid al-Adha, trat ein Mann vor etwa hundert Schaulustigen und Journalisten vor der Großen Moschee der schwedischen Hauptstadt mehrmals auf den Koran ein und schwenkte dabei schwedische Fahnen. Danach steckte er Schinkenstreifen, die Muslimen als unrein gelten, in das Buch und verbrannte einige Seiten daraus.
Der 37-jährige nach Schweden geflüchtete Iraker Salwan Momika hatte zuvor die Genehmigung der schwedischen Behörden für seine Protestaktion erhalten. Er hatte seinen Antrag damit begründet, dass er mit der Aktion seine "Meinung zum Koran ausdrücken" wolle. Der schwedischen Nachrichtenagentur TT sagte er, sein Protest unterstreiche zudem die Bedeutung der Meinungsfreiheit.
In seinem der AFP vorliegenden Genehmigungsantrag hatte Momika zuvor angekündigt, er wolle "den Koran zerreißen und verbrennen". In einem im April in der schwedischen Zeitung "Aftonbladet" veröffentlichten Artikel hatte Momika versichert, er wolle dem Land, das ihn "aufgenommen" und seine "Würde bewahrt" habe, "keinen Schaden" zufügen".
Die Polizei hatte ihre Genehmigung der Aktion damit erklärt, "die mit der geplanten Koran-Verbrennung verbundenen Sicherheitsrisiken seien nicht von einer Art, die unter den derzeitigen Gesetzen eine Entscheidung zur Abweisung des Antrags (auf Genehmigung) rechtfertigen könnte".
Der Vorfall zog umgehend den Zorn Ankaras nach sich und könnte nun auch die Aussichten auf Schwedens Nato-Beitritt trüben, den die Türkei bislang blockiert. Der türkische Außenminister Hakan Fidan erklärte im Onlinedienst Twitter, er verfluche diese "verachtenswerte Handlung, die gegen unser Heiliges Buch, den Heiligen Koran, am ersten Tag des Eid-al-Adha-Festes begangen wurde".
Es sei "inakzeptabel", derartige gegen den Islam gerichteten Aktionen "unter dem Vorwand der Meinungsfreiheit zuzulassen". Wer seine Augen vor solchen Handlungsweisen verschließe, mache sich zu deren "Komplizen", erklärte Fidan.
Bereits im Januar hatten rechtsextreme Demonstranten in Stockholm einen Koran vor der türkischen Botschaft verbrannt und damit wütende Reaktionen in der islamischen Welt ausgelöst. Die Koran-Verbrennung führte damals zu einer Verhärtung des türkischen Widerstands gegen Schwedens Nato-Beitritt.
Ankara begründet seine bisherige Blockade von Schwedens Aufnahme in die westliche Militärallianz aber vor allem damit, dass das Land ein Zufluchtsort für "Terroristen" sei. Damit sind in erster Linie Mitglieder der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gemeint. Auch Ungarn hat dem Nato-Beitritt Schwedens bislang nicht zugestimmt. Das Parlament in Budapest hat die Frage am 7. Juli vor seiner Sommerpause auf die Tagesordnung gesetzt.
Am Tag davor sollen in Brüssel die Außenminister der Türkei und Schweden sowie deren Geheimdienstchefs und Nationalen Sicherheitsberater zusammenkommen, um die Gespräche hinsichtlich Schwedens Nato-Beitrittsgesuch voranzubringen, wie Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch bekannt gab. "Wir arbeiten daran, die Aufnahme Schwedens abzuschließen", sagte Stoltenberg in Brüssel. Das Vorhaben ist auch Thema beim Nato-Gipfel am 11. und 12. Juli in der litauischen Hauptstadt Vilnius.
Das Treffen war nach Angaben der Bundesregierung auch Thema eines Telefonats zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Beide hätten sich zum "Nato-Gipfel in Vilnius ausgetauscht", teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit auf Twitter mit. In dem Gespräch sei es "unter anderem auch um einen baldigen Abschluss des Beitritts Schwedens" zu dem westlichen Militärbündnis gegangen.
T.Perez--AT