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Verletzung von Kind wohl Auslöser für Massenschlägereien in Nordrhein-Westfalen
Die Massenschlägereien in Nordrhein-Westfalen in der vergangenen Woche sind offenbar auf einen Streit unter Kindern zurückzuführen. "Auslöser soll die leichte Verletzung eines Kinds einer Familie beim Spielen gewesen sein, die dann offenbar gerächt werden sollte", sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) in einer Sondersitzung des Innenausschusses im Düsseldorfer Landtag am Mittwoch. Demnach könnten die Auseinandersetzungen in Essen und Castrop-Rauxel miteinander zusammenhängen.
In der vergangenen Wochen war es in beiden Städten nach Polizeiangaben zu Massenschlägereien zwischen Syrern und Libanesen gekommen. Die genaue Zusammensetzung der Konfliktparteien sei noch Gegenstand von Ermittlungen, betonte Reul. In der Öffentlichkeit wurde nach den Vorfällen ein möglicher Zusammenhang mit Clankriminalität diskutiert.
Ob es sich bei den Konflikten um Fortführungen von Streitigkeiten einzelner Familienmitglieder handle, sei bislang noch unklar, sagte Reul. Auffällig sei jedoch eine "enorme Solidarisierung und Mobilisierung über die digitalen Medien und entsprechende Chatgruppen" auf beiden Seiten. Reul sprach von einer "Pulverfassmentalität" und einem Konflikt, "der nichts auf den Straßen in deutschen Großstädten zu suchen hat".
Die Tumultlage begann demnach am Donnerstag in Castrop-Rauxel, an der bis zu 50 Menschen beteiligt gewesen sein sollen. Die Polizei sprach bislang von 20 bis 30 Beteiligten. Die Lage sei für die eintreffenden Beamten "unübersichtlich" gewesen, sagte Reul weiter. "Mehrere Personen gingen aufeinander los." Polizisten seien "direkt verbal und körperlich angegangen" worden.
Zehn Menschen wurden verletzt, darunter ein Polizeibeamter. Ein zunächst schwer verletzter 23-jähriger Syrer sei inzwischen außer Lebensgefahr. Zur Aufklärung der Auseinandersetzung wurde eine Mordkommission eingesetzt.
Am folgenden Freitag hätten sich in Castrop-Rauxel erneut 50 bis 60 Menschen getroffen - "offenbar zu einer Art High Noon", wie Reul sagte. Bei dem anschließenden Polizeieinsatz wurden etliche Waffen beschlagnahmt, darunter eine Maschinenpistole und Macheten. Mehrere flüchtige Tatverdächtige wurden von einem Polizeihubschrauber bis nach Essen verfolgt.
Am späten Freitagabend standen sich in Essen schließlich dutzende Libanesen und Syrer gegenüber. "Das sieht für mich nicht unbedingt nach einem Zufall aus", sagte der Innenminister. Die Polizei habe die Lage schnell beruhigen können. Vier Beamte wurden verletzt. Im Großraum Gelsenkirchen habe es am Samstag zudem eine weitere Mobilisierung von rund 80 Menschen gegeben.
Nach den Einsätzen mit rund 700 beteiligten Beamten zog Reul am Mittwoch eine erste Bilanz. Zwei Verdächtige wurden demnach vorläufig festgenommen, 41 Menschen kamen kurzfristig in Gewahrsam. 462 Menschen und 76 Fahrzeuge wurden kontrolliert. Die Beamten beschlagnahmten zudem 141 Gegenstände, darunter die Maschinenpistole und 43 Messer.
S.Jackson--AT