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Vor Silvester: Warnungen vor Risiken durch illegale Böller
Zum Start des Verkaufs von Silvesterfeuerwerk haben Behörden und Ärzte erneut vor Verletzungsrisiken durch illegales Feuerwerk gewarnt. "Nicht zugelassenes Feuerwerk kann zu einer ernsthaften Gefahr werden und schwere, teils sogar bleibende Verletzungen verursachen", sagte der Präsident der Generalzolldirektion, Armin Rolfink, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vom Montag. Laut einer AOK-Analyse werden rund um Silvester in Deutschlands Krankenhäusern deutlich mehr Verletzungen behandelt.
Nach einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) lag die Anzahl der Krankenhausaufnahmen aufgrund von typischen Feuerwerksverletzungen an Neujahr in den vergangenen zehn Jahren bei durchschnittlich rund 530 Fällen. Das waren etwa 2,6-mal so viele wie an normalen Wochentagen und rund 4,4-mal so viele wie an durchschnittlichen Wochenenden.
In die Auswertung einbezogen wurden Verletzungen der Hand, der Augen, am Kopf, an den Ohren sowie Verbrennungen des Kopfes und des Halses. Allerdings müssen sehr viel mehr Fälle wegen Verletzungen durch Pyrotechnik medizinisch versorgt werden, vor allem ambulant in den Notaufnahmen.
Am Montag startete in Deutschland der Verkauf von Feuerwerk wie Silvesterraketen und Böller. Supermärkte und Discounter dürfen Feuerwerk der Kategorie F2 nur an den letzten drei verkaufsoffenen Tagen des Jahres verkaufen.
Bundesweit warnten Polizeibehörden, Städte und Gemeinden am Montag vor Unachtsamkeit und dem leichtsinnigen Hantieren mit Feuerwerk, womöglich noch unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Dadurch komme es in der Silvesternacht regelmäßig zu einem erhöhten Einsatzaufkommen bei Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten.
Vor allem illegale Böller sorgen jedes Jahr für schwere Verletzungen. Im vergangenen Jahr beschlagnahmte der Zoll mehr als sieben Tonnen nicht zugelassener Pyrotechnik - mehr als in den drei vorangegangenen Jahren zusammen, wobei während der Pandemie die Böllerei generell zurückging beziehungsweise teilweise verboten wurde.
Die Einfuhr nicht zugelassener Feuerwerkskörper aus dem Ausland "ist verboten" und ziehe ein Strafverfahren nach sich, sagte Zoll-Chef Rolfink dem RND. "Damit der Jahreswechsel für alle sicher bleibt, kann ich nur eindringlich davor warnen, Feuerwerk unbekannter Herkunft oder ohne das CE-Kennzeichen zu kaufen."
Auch der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) rief zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Böllern auf. Besonders häufig betroffen von Feuerwerksverletzungen seien Hände, Augen und Ohren, mit teils gravierenden Folgen wie Verbrennungen, Amputationen, Sehverlust oder bleibenden Hörschäden.
"Jedes Jahr zu Silvester erleben wir zahlreiche schwere Handverletzungen, die oft gravierende und dauerhafte Einschränkungen nach sich ziehen", erklärte BVOU-Experte AdrianScale. "Explodierende Feuerwerkskörper können Knochen, Sehnen und Weichteile massiv schädigen - selbst mit modernsten Operationsverfahren lassen sich die Folgen nicht immer vollständig beheben."
Der Arbeitersamariterbund (ASB) forderte zum Jahreswechsel Feiernde zur Rücksicht auf Rettungskräfte auf. Für die Einsatzkräfte zähle die Silvesternacht "zu den stressigsten Nächten des Jahres". ASB-Geschäftsführerin Edith Wallmeier appellierte daher, Rettungswege freizuhalten und auf die Sicherheit im Umgang mit Feuerwerk zu achten. "Jede Behinderung oder Verzögerung kann Leben kosten", warnte Wallmeier.
Der TÜV-Verband empfahl am Montag unter anderem, nur altersgerechte Produkte zu verwenden. So dürfe Kleinstfeuerwerk der Kategorie F1, wie zum Beispiel Wunderkerzen und Knallerbsen, von Kindern ab zwölf Jahren gezündet werden. Für Kleinkinder seien auch diese Produkte tabu. Kinder sollten zudem nie unbeaufsichtigt böllern und ausreichend Abstand halten.
Raketen sollten nie in der Hand, sondern aus standsicheren Flaschen etwa in Getränkekisten gezündet werden. Der TÜV wies erneut darauf hin, dass in Deutschland zugelassene Produkte das CE-Zeichen und eine BAM-Prüfnummer tragen. "Illegale, manipulierte oder selbstgebaute Raketen und Böller sind lebensgefährlich."
Zuletzt wurden erneut Rufe nach einem Böllerverbot laut. Unter anderem der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, forderte unter Verweis auf schwere Verletzungen und volle Notaufnahmen ein Verbot von Feuerwerk für Privatleute. Pläne für ein bundesweites Böllerverbot gibt es derzeit nicht.
A.O.Scott--AT