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Deutschland löst trotz Rezession Japan als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ab
Deutschland hat Japan trotz sinkender Wirtschaftsleistung als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt abgelöst. Das geht aus am Donnerstag veröffentlichten Wirtschaftsdaten der japanischen Behörden hervor. Allerdings ist der Aufstieg vor allem einem Währungseffekt geschuldet und könnte nicht nachhaltig sein: Die deutsche Wirtschaft schwächelt derzeit, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), die EU-Kommission und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) passten ihre Konjunkturprognosen nach unten an.
Die japanische Wirtschaft entwickelte sich im vergangenen Jahr nach aktuellen Daten aus Tokio gar nicht so schlecht: Obwohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal um 0,1 Prozent schrumpfte, legte die Wirtschaftsleistung über das Jahr gesehen um 1,9 Prozent zu. Wegen der Schwäche der Landeswährung Yen entsprach das BIP aber nur 4,2 Billionen Dollar (3,9 Billionen Euro).
Das deutsche BIP dagegen sackte 2023 um 0,3 Prozent ab - überholte wegen der Wechselkurse mit 4,5 Billionen Dollar aber dennoch nominal das japanische. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt sind mit jeweils großem Abstand weiterhin die USA und China.
Der Aufstieg Deutschlands ist daher vor allem symbolisch - insgesamt ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft schlecht. Vielfältige Probleme belasten die Unternehmen, wie aus der Konjunkturbefragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hervorgeht. Die mit der Energiekrise stark eingetrübten Geschäftserwartungen haben sich demnach zwar nicht weiter verschlechtert, blieben aber auf niedrigem Niveau.
Der Befragung zufolge geht nur jeder siebte Unternehmer von einer Besserung der Lage in den kommenden zwölf Monaten aus. Die aktuelle Geschäftslage sehen nur 29 Prozent der Befragten positiv. "Die schlechte Stimmung der Unternehmen verfestigt sich", erklärte die DIHK.
Gründe für die miese Stimmung sind vor allem die hohen Energie- und Rohstoffpreise, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, der Fachkräftemangel, die Inlandsnachfrage sowie die hohen Arbeitskosten. "Beunruhigend ist, dass mittlerweile fast drei von fünf Unternehmen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Geschäftsrisiko sehen", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Gemeint ist damit in den meisten Fällen die Belastung durch zu viel Bürokratie.
Verbessert hat sich die Stimmung allerdings bei international tätigen Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten. "Sie profitieren von deutlich verbesserten Exporterwartungen, angesichts einer überraschend resilienten Entwicklung der Weltwirtschaft", erklärten die DIHK-Experten. Insgesamt helle sich die Exporterwartungen deshalb auf, bei kleineren Unternehmen aber deutlich weniger stark.
Als Konsequenz der Angaben prognostiziere die DIHK "für das Jahr 2024 einen erneuten Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent", erklärte Wansleben. Die Wirtschaftsvertreter sind demnach noch deutlich pessimistischer als Wirtschaftsminister Habeck. Er hatte am Mittwoch angekündigt, die Konjunkturprognose seines Hauses von 1,3 auf 0,2 Prozent Wachstum abzusenken. Das sei "dramatisch schlecht", sagte Habeck bei einer Veranstaltung in Leipzig.
Auch die EU-Kommission senkte ihre Wachstumserwartungen für 2024 um 0,4 Prozentpunkte ab. Für die Länder der Eurozone geht sie demnach noch von 0,8 Prozent Wachstum aus. Deutschland sieht die EU-Kommission mit 0,3 Prozent noch leicht im Plus, im November hatte sie aber noch 0,8 Prozent prognostiziert.
"Die europäische Wirtschaft hat ein äußerst schwieriges Jahr hinter sich", sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni in Brüssel. Der erwartete Aufschwung sei vor allem im ersten Quartal 2024 deshalb kleiner als noch im Herbst angenommen. Die geringe Kaufkraft der Haushalte, die strikte Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine sinkende Exportnachfrage drücken demnach das Wachstum.
Die Erwartungen hängen den Brüsseler Angaben zufolge auch vom Risiko einer Ausweitung des Nahost-Konfliktes und vom Ausgang mehrerer Wahlen wie etwa der Europawahl Anfang Juni und der US-Präsidentschaftswahl im November ab. "Geopolitische Spannungen, ein immer instabileres Klima und eine Reihe wichtiger Wahlen weltweit erhöhen die Unsicherheit der Aussichten", erklärte Gentiloni.
H.Gonzales--AT