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Ökonomen gehen von geringem Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr aus
Hohe Zinsen und eine verhaltene Weltkonjunktur bremsen die deutsche Wirtschaft weiter aus. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) geht deshalb nur noch von einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent für das nächste Jahr aus, wie die zur Hans-Böckler-Stiftung gehörende Forschungseinrichtung am Dienstag mitteilte. Im laufenden Jahr werde die Wirtschaft wie bereits erwartet schrumpfen.
"Bei abnehmender Inflation und stärkeren Lohnsteigerungen erholt sich zwar ab dem dritten Quartal 2023 der private Konsum", erklärten die Forschenden. Diese positive Entwicklung komme aber so spät, dass sie die Rezession im Gesamtjahr 2023 nur etwas mildern, aber nicht verhindern könne. Im Jahresdurchschnitt sinke das Bruttoinlandsprodukt deshalb um 0,5 Prozent.
Die Forschenden bestätigten damit eine erste Prognose aus dem Juni, die Annahmen für das kommende Jahr korrigierten sie allerdings um 0,5 Prozentpunkte nach unten. Zinserhöhungen wirkten sich demnach negativ auf die Konjunktur aus. Sie dämpften das Wachstum der Weltwirtschaft, zudem kämen aus den USA und aus China zu wenig Impulse. "Im Inland sinken die Bauinvestitionen drastisch, auch weil sich Kredite stark verteuert haben", führten die Forschenden aus.
Allerdings erhole sich der private Konsum langsam, zugleich "werden die Einkommen von deutlich höheren Tariflohnabschlüssen als in den Vorjahren profitieren", so die Experten. Demnach werden die preisbereinigten Einkommen in diesem Jahr zunächst nochmals leicht zurückgehen, nach der aktuellen Prognose im kommenden Jahr aber "spürbar" anwachsen.
Auf der konjunkturellen Habenseite für die deutsche Wirtschaft stehen zudem, neben der nachlassenden Inflation, kontinuierlich wachsende Ausrüstungsinvestitionen, erläuterte das IMK. Gründe dafür seien unter anderem die ökologische Transformation der Wirtschaft und wachsende Rüstungsausgaben des Staates.
Eine noch niedrigere Prognose als das IMK gab indes der Bundesverband deutscher Banken (BdB) ab, der von einem BIP-Wachstum von 0,3 Prozent im kommenden Jahr ausgeht. "Die deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle", erklärte der Verband am Dienstag. Für das laufende Jahr bestätigt der BdB, der sich für seine Prognose auf eine Umfrage unter den Chefvolkswirten der privaten Banken stützt, die Zahlen des IMK und erwartet einen BIP-Rückgang von 0,5 Prozent.
Das schwache Wirtschaftswachstum wirke sich nach Angaben des IMK auch auf den Arbeitsmarkt aus. Die Forschenden erwarten einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 5,7 Prozent in diesem Jahr, 0,4 Prozentpunkte mehr als noch 2022. Für 2024 veranschlagen die Forschenden eine weitere leichte Zunahme der Arbeitslosigkeit und eine Quote von 5,9 Prozent.
Die Inflationsrate hingegen werde deutlich zurückgehen. Während sie im laufenden Jahr bei durchschnittlich sechs Prozent liegen werde, dürfe die Teuerungsrate mit durchschnittlich 2,4 Prozent im nächsten Jahr wieder relativ nahe am Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen.
D.Johnson--AT