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Verdi verzeichnet wegen Tarifverhandlungen im Handel starken Mitgliederzuwachs
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verzeichnet vor allem wegen der laufenden Tarifverhandlungen im Handel weiterhin starke Mitgliederzuwächse. "Wir haben deutlich steigende Eintrittszahlen", sagte Verdi-Chef Frank Werneke der "Augsburger Allgemeinen" vom Donnerstag. In der aktuell laufenden Tarifrunde seien rund 10.000 neue Mitglieder dazu gekommen. "Wenn man Eintritte und Abgänge gegenüberstellt, sind wir in diesem Jahr unter dem Strich im Plus."
Genauere Zahlen will Verdi beim Gewerkschaftstag im September veröffentlichen. Schon in der Tarifrunde des Öffentlichen Dienstes die Gewerkschaft Anfang des Jahres etwa 50.000 zusätzliche Mitglieder gewonnen.
Verdi verhandelt seit Monaten für Gehaltssteigerungen im Einzel-, Versand-, Außen- und Großhandel. Die Gewerkschaft fordert 13 Prozent und mindestens 400 Euro mehr Gehalt im Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite bietet bislang bei einer Laufzeit von 24 Monaten bis zu 8,5 Prozent mehr, darin enthalten ist eine einmalige Inflationsausgleichsprämie.
Ihre Forderungen untermauern die Gewerkschafter regelmäßig mit Streikaufrufen. "Die Beschäftigten brauchen mehr", sagte Werneke der "Augsburger Allgemeinen". "Die gestiegenen Preise machen den Mitarbeitenden im Handel schwer zu schaffen, während die Einzelhandels-Konzerne die höheren Preise eins zu eins an die Kundschaft weitergeben und noch einmal einen Schnaps drauflegen."
Besonders im Einzelhandel arbeiteten viele Frauen in Teilzeitjobs und verdienten so unter 2000 Euro brutto im Monat, führte der Gewerkschaftschef aus. "Die Not der Beschäftigten im Einzelhandel ist enorm." Die Arbeitgeber müssten also noch ordentlich was drauflegen. "Bis dahin wird es weitere Streiks geben."
Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisierte das Auftreten der Gewerkschaft. "Die Arbeitgeber haben in den bisher rund 45 Verhandlungsrunden bundesweit bereits mehrfach Angebote vorgelegt und nachgebessert, auf Gewerkschaftsseite sieht man hingegen keinen ernsthaften Willen zur Einigung", erklärte der Verband.
HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke warf Verdi eine "Verzögerungstaktik" vor, die den dezentralen Ansatz entwerte. Vielerorts hätten Gewerkschafter vor Ort Bereitschaft zu einem Abschluss signalisiert, seien dann aber aufgrund der Vorgaben der Verdi-Bundeszentrale zurückgezuckt. "Die gewerkschaftlichen Länderkommissionen scheinen regelrecht entmündigt." Dann könne auch gleich zentral verhandelt werden.
T.Sanchez--AT