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Mindestens 30 Tote bei gewaltsamen Zusammenstößen im Tschad
Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstrierenden im Tschad sind Regierungsangaben zufolge am Donnerstag "etwa 30" Menschen getötet worden. Unter den Toten waren demnach auch mehrere Sicherheitskräfte. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, versammelten sich hunderte Protestierende nach einem Aufruf der politischen Opposition in der Hauptstadt N'Djamena. Demnach waren regelmäßig Tränengassalven zu hören und schwarzer Rauch zu sehen.
Ein AFP-Reporter sah fünf Leichen auf dem Boden eines städtischen Krankenhauses, von denen zwei mit der tschadischen Nationalflagge und drei mit blutigen weißen Laken bedeckt waren. Der Chefarzt des Krankenhauses bestätigte AFP, dass die fünf Menschen "durch Schüsse getötet" worden seien. In mehreren Stadtteilen waren Barrikaden aufgestellt, auf einigen Hauptstraßen waren Reifen angezündet worden, um den Verkehr aufzuhalten.
Wie das Rote Kreuz bestätigte, setzte es "ein Dutzend Teams" in den angespannten Bezirken der Hauptstadt ein. "Wir leisten Erste Hilfe und transportieren Dutzende von Verletzten mit Fahrzeugen in Krankenhäuser", sagte der Rote-Kreuz-Chef Khalla Ahmat Senoussi. Offizielle Behördenangaben gab es zunächst nicht.
Die Demonstrationen waren von den Behörden verboten worden. Sie richten sich gegen die Verlängerung der von der regierenden Militärjunta festgelegten Übergangszeit bis zu demokratischen Wahlen. Eigentlich hätte diese an diesem Donnerstag enden sollen.
Der Tschad wird von einer Militärjunta regiert. Deren Chef Mahamat Idriss Déby Itno hatte die Macht im April 2021 von seinem Vater, dem langjährigen Staatschef Idriss Déby Itno, übernommen. Er versprach einen nationalen Dialog und "freie und demokratische Wahlen" innerhalb von 18 Monaten.
Dieses Versprechen kassierte das Forum des Nationalen Inklusiven und Souveränen Dialogs in diesem Monat und verkündete, Déby Itno solle während einer verlängerten zweijährigen Übergangszeit bis zur Abhaltung von Wahlen im Amt bleiben. Es bestätigte zudem das Recht Débys, nach der Übergangsphase für das Präsidentenamt zu kandidieren.
Die im August eröffneten Gespräche waren von großen Teilen der Opposition und Teilen der Zivilgesellschaft sowie einigen mächtigen Rebellengruppen abgelehnt worden, die eine "dynastische Nachfolge" an der Staatsspitze ablehnten.
"Sie schießen auf uns. Sie töten unser Volk", schrieb der wichtige Oppositionspolitiker Succès Masra, der am Mittwoch zu friedlichem Protest aufgerufen hatte, im Onlinedienst Twitter. So wolle der "General, der sich weigerte, sein Wort zu halten", die Dynastie einsetzen: "Indem er das Volk tötet", erklärte Masra.
Die Proteste richteten sich offenbar auch gegen die Parteizentrale der Partei Nationale Union für Demokratie und Erneuerung (UNDR) von Ministerpräsident Saleh Kebzabo. Sie sei von Demonstranten angegriffen "und teilweise niedergebrannt" worden, sagte UNDR-Vizechef Célestin Topona der AFP. Kebzabo, ein früherer Gegner von Idriss Déby Itno, war kürzlich der von dessen Sohn ernannten Regierung beigetreten und wurde am 12. Oktober zum Regierungschef ernannt.
Der Tschad ist eines der ärmsten Länder der Welt. Nach UN-Angaben brauchten dort im vergangenen Jahr 5,5 Millionen Menschen und damit mehr als ein Drittel der Bevölkerung dringend humanitäre Hilfe.
O.Gutierrez--AT