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Ukraine-Krieg: Kiew beschuldigt Moskau des Bruchs einer einseitigen Waffenruhe
Kurz nach Beginn einer einseitig von Kiew ausgerufenen Feuerpause ab Mitternacht in der Ukraine ist diese bereits wieder gebrochen worden: Nach Angaben aus Kiew feuerte die russische Armee in der Nacht zum Mittwoch 108 Drohnen und drei Raketen auf das Nachbarland ab. Dies sei "eine offensichtliche Verschmähung eines Waffenstillstands und der Rettung von Menschenleben", erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Ukraine werde nun "entsprechend reagieren".
In der Ukraine wurde unter anderem eine Industrieanlage in der südlichen Region Saporischschja attackiert, wie Regionalgouverneur Iwan Fedorow mitteilte. Nach Angaben aus Kiew wurde bei den jüngsten Angriffen der Moskauer Streitkräfte mindestens ein Mensch getötet.
Russland meldete dagegen zunächst wenige ukrainische Angriffe: Das russische Verteidigungsministerium gab an, in der Nacht 53 ukrainische Drohnen abgeschossen zu haben - weit weniger als in den Vortagen. Ob die ukrainischen Drohnen vor oder nach Mitternacht abgeschossen wurden, war zunächst unklar.
Sowohl Moskau als auch Kiew hatten für diese Woche einseitige Waffenruhen angekündigt - jedoch zu unterschiedlichen Terminen. Während die von der Ukraine verkündete Feuerpause um Mitternacht in Kraft trat, will Russland die Waffen rund um die Feierlichkeiten am 9. Mai zum Gedenken an den Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg schweigen lassen. Auf die von Kiew ausgerufene Waffenruhe hatte Moskau dagegen nicht reagiert.
"Das zeigt, dass Russland Frieden verweigert", erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sibyha. "Putin interessieren nur Militärparaden, keine Menschenleben." Moskaus "vorgetäuschte Forderungen nach einem Waffenstillstand am 9. Mai haben nichts mit Diplomatie zu tun", fügte Sibyha hinzu.
Nach Angaben eines an der östlichen Front stationierten ukrainischen Offiziers attackierten die russischen Streitkräfte am Mittwoch weiterhin ukrainische Stellungen. Da Russland die von Kiew vorgeschlagene Feuerpause "nicht eingehalten" habe, würden die ukrainischen Einheiten entsprechend antworten, sagte der Offizier der Nachrichtenagentur AFP.
Ein weiterer Frontkommandant bestätigte gegenüber AFP: "Die Intensität der Kampfhandlungen bleibt unverändert." Auch seine Einheit reagiere nach dem Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn".
Am Dienstag hatte Russland die Ukraine mit besonders heftigen Angriffen überzogen. In verschiedenen Teilen des Landes wurden dabei nach ukrainischen Angaben mindestens 28 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Bei ukrainischen Angriffen auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim wurden am Dienstag fünf Menschen getötet. Einen Toten gab es nach russischen Angaben bei einem Drohnenangriff in Zentralrussland.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 wurden zehntausende Menschen getötet. In seinem seit über vier Jahren andauernden Angriffskrieg gegen die Ukraine greift Russland das Nachbarland fast jede Nacht mit hunderten Drohnen an. Im Gegenzug attackiert die ukrainische Armee regelmäßig die russische Energieinfrastruktur und militärische Ziele.
Im April feuerte Russland eine Höchstzahl von weitreichenden Drohnen auf die Ukraine ab, im Durchschnitt mehr als 200 pro Tag, wie eine Analyse von Daten der ukrainischen Luftwaffe durch die Nachrichtenagentur AFP ergab.
In der Vergangenheit hatte es mehrere kurze Feuerpausen gegeben. Doch auch mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion ist kein Ende des Ukraine-Krieges in Sicht. Zwischenzeitliche Vermittlungsgespräche der USA waren ohne Ergebnis geblieben.
O.Brown--AT