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Trotz Kritik von Starmer: Tausende bei pro-palästinensischen Protesten in Großbritannien
Ungeachtet scharfer Kritik von Premierminister Keir Starmer haben in Großbritannien am zweiten Jahrestag des Hamas-Überfalls auf Israel mehrere tausend Menschen an pro-palästinensischen Demonstrationen teilgenommen. Allein im Zentrum der Hauptstadt London gingen am Dienstag hunderte Studierende gegen den Krieg im Gazastreifen auf die Straße. Starmer hatte manchen Protestierenden zuvor "einen vollständigen Verlust von Empathie und Menschlichkeit" vorgeworfen.
An den Protesten in London beteiligten sich Studierende mehrerer Universitäten. Sie riefen Sprechchöre wie "Freiheit für Palästina", "Israel Terrorstaat" und "Stoppt den Völkermord". Proteste gab es auch in Edinburgh, Glasgow, Sheffield, Manchester und anderen britischen Städten.
Starmer schrieb in einem Gastbeitrag in der "Times", die Proteste würden von manchen als "widerwärtige Ausrede" genutzt werden, "um britische Juden für etwas anzugreifen, für das sie überhaupt keine Verantwortung tragen". Es sei "unbritisch, so wenig Respekt für Andere zu haben". In einer anderen Erklärung zum zweiten Jahrestag des Hamas-Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 verurteilte der Premierminister den "wachsenden Antisemitismus" in Großbritannien.
Am vergangenen Donnerstag, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, waren bei einem Angriff vor einer Synagoge in Manchester zwei Menschen getötet und drei weitere schwer verletzt worden. Die britischen Behörden stuften den Angriff als "terroristisch" ein. Starmer reagierte bestürzt auf den Vorfall und rief dazu auf, aus Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft von pro-palästinensischen Demonstrationen abzusehen.
In London wiesen Protestierende die Kritik des Premierministers an den Demonstrationen zurück. Es sei möglich, Solidarität mit den Opfern des Hamas-Überfalls zu zeigen und gleichzeitig "für das palästinensische Volk zu demonstrieren", sagte die 23-jährige Sim Junaid. Der 56-jährige David MacFadyen nannte Starmers Kritik "abstoßend" und die Antisemitismusvorwürfe gegen die Demonstranten "lächerlich".
Kämpfer der Hamas und mit ihr verbündeter Islamisten aus dem Gazastreifen hatten am 7. Oktober 2023 Israel überfallen. Nach israelischen Angaben wurden dabei mehr als 1200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Zwei Jahre später sind noch immer 47 Geiseln in der Gewalt der Hamas. Mindestens 25 der Geiseln sollen nach Angaben des israelischen Militärs aber bereits tot sein.
Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, mehr als 67.100 Menschen getötet. Die humanitäre Lage in dem Palästinensergebiet ist katastrophal.
J.Gomez--AT