Arizona Tribune - Ärmelkanal-Unglück mit 31 Toten: Schleuser zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

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Ärmelkanal-Unglück mit 31 Toten: Schleuser zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt
Ärmelkanal-Unglück mit 31 Toten: Schleuser zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt / Foto: SIMON WOHLFAHRT - AFP/Archiv

Ärmelkanal-Unglück mit 31 Toten: Schleuser zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

Knapp fünf Jahre nach einem Bootsunglück auf dem Ärmelkanal mit mindestens 31 Toten hat ein Gericht in Paris am Mittwoch 13 Männer zu Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verurteilt. Sechs von ihnen wurden der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen. Einer der Angeklagten wurde freigesprochen. Das bislang größte bekannte Bootsunglück von Migranten auf dem Ärmelkanal sei eine "beispiellose Katastrophe, verursacht von einzelnen, die unter Missachtung von Menschenleben von Geldgier getrieben waren", hieß es in der Urteilsbegründung. Ein weiteres Verfahren gegen sieben französische Soldaten, die im Verdacht unterlassener Hilfeleistung stehen, läuft noch.

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Das Urteil sei für die Nebenkläger eine Erleichterung, denn es bestätige "die strafrechtliche Verantwortung der Schleuser", sagte Rechtsanwalt Matthieu Chirez, der 112 Nebenkläger vertritt. Der Prozess habe zudem dazu beigetragen, "den Familien der Opfer ein Gesicht zu geben".

Sechs Haftbefehle wurden am Ende des Prozesses erlassen, darunter zwei gegen die beiden Haupttäter, einen Iraker und einen Afghanen, die in Abwesenheit verurteilt wurden. Zwei Männer, die lediglich Migranten beherbergt hatten, ohne sich das bezahlen zu lassen, wurden zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Das Unglück vom November 2021 hatte wegen der hohen Opferzahl und des Verhaltens der französischen Behörden Aufsehen erregt. Bei den jüngsten Anhörungen der Soldaten, die in dem Rettungszentrum Dienst hatten, widersprachen sich die Verdächtigen. Eine Frau räumte ein, dass man darauf gesetzt habe, dass das in Seenot geratene Boot ins britische Gewässer gelange. Dies wies eine weitere Verdächtigte jedoch zurück, wie AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr.

Zu dem Prozess hatten sich 114 Nebenkläger gemeldet, vor allem Familien der Opfer, die unter anderem aus Afghanistan, Äthiopien, Somalia und Vietnam stammten. Neun Menschen reisten aus der irakischen Stadt Erbil an. Das Unglück überlebten nur ein Somali und ein Iraker.

Die Menschen an Bord hatten mehrfach die französische Seenotrettung angerufen, waren aber immer wieder abgewiesen worden. Eine Absprache mit britischen Stellen gab es nicht.

Seit 2018 - nachdem Überfahrten als blinde Passagiere in Lastwagen aufgrund strengerer Kontrollen kaum noch möglich waren - überquerten mehr als 200.000 Menschen in Schlauchbooten den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien. Viele von ihnen haben dort bereits Verwandte oder Freunde oder hoffen darauf, dass sie sich dort auf Englisch und ohne Ausweispflicht besser durchschlagen können.

Ein 2025 geschlossenes Abkommen zwischen Frankreich und Großbritannien, das die Überfahrten verhindern sollte, wird nach Angaben des französischen Innenministeriums demnächst auslaufen. Es sah die legale Aufnahme für Migranten aus Frankreich vor, wobei Frankreich dieselbe Zahl von Migranten zurücknehmen sollte, die über den Ärmelkanal gekommen waren. Nach offiziellen Angaben wurden etwa 1400 Migranten nach Frankreich zurückgeführt und etwa 1100 Migranten legal aufgenommen. Hilfsorganisationen hatten kritisiert, dass dieses Abkommen internationalem Recht widerspreche.

Seit Beginn des Jahres erreichten etwa 19.000 Migranten Großbritannien auf dem Seeweg - 40 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Mindestens 22 Menschen starben bei dem Versuch. Zuletzt kamen am Montag drei Menschen bei einem Bootsunglück im Ärmelkanal ums Leben, unter ihnen auch ein Kind.

A.Ruiz--AT