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Schulskandal in Frankreich: Premier Bayrou will nicht von Gewalt gegen Tochter gewusst haben
Im Skandal um Anschuldigungen zu körperlicher und sexueller Gewalt in einer katholischen Schule in Südfrankreich ist Premierminister François Bayrou erneut persönlich ins Blickfeld geraten: Er habe nicht davon gewusst, dass seine älteste Tochter zu den Opfern gehöre, sagte Bayrou am Mittwoch vor Journalisten. Tags zuvor hatte das Magazin "Paris Match" ein Interview mit seiner Tochter Hélène Perlant veröffentlicht, in dem diese angab, sie sei als 14-Jährige während eines Sommercamps von einem Priester misshandelt worden.
"Eines Abends, als wir gerade unsere Schlafsäcke auspackten", habe der etwa 120 Kilogramm schwere Mann sie "auf einmal an den Haaren gezogen, mich mehrere Meter über den Boden geschleift und hat mir am ganzen Körper, vor allem im Bauch, Fausthiebe versetzt und mich getreten".
Ihr Vater habe davon jedoch nie etwas erfahren, fügte die heute 53-Jährige hinzu. Sie habe niemandem gegenüber auch nur eine Andeutung gemacht.
Seine Tochter habe den Vorfall ihm gegenüber nie erwähnt, sagte Bayrou am Mittwoch. Dass auch sie Opfer der Gewalt geworden sei "zerreißt mir als Familienvater das Herz". Dass es zu solchen Entgleisungen kommen konnte, "ist für mich fast unerträglich", fügte er hinzu.
Der Regierungschef betonte jedoch, seine Tochter stehe "nicht im Zentrum der Affäre", die zudem keine persönliche Angelegenheit sei. Er sei nicht nur Vater sondern vor allem Politiker und denke an die vielen weiteren Opfer, sagte der Premier. Bayrou steht wegen der Vorwürfe, die auch in seine Zeit als Bildungsminister fallen, unter Druck und soll am 14. Mai vor einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aussagen.
Bayrou war von 1993 bis 1997 Bildungsminister. Der Premierminister weist Vorwürfe zurück, von den mutmaßlichen Gewalttaten an der Schule Notre-Dame de Bétharram in der Nähe der Stadt Pau gewusst zu haben. Bayrou war damals außerdem Vorsitzender des Regionalrats und ist bis heute Bürgermeister von Pau. Zudem hatten mehrere seiner Kinder die Schule besucht. Seine Frau gab dort zeitweise Religionsunterricht.
Ihr Vater sei noch mehr als andere Eltern "politisch und lokal" mit der Schule verstrickt gewesen, sagte Perlant "Paris Match" weiter und fügte hinzu: "Je mehr man verstrickt ist, desto weniger sieht man, desto weniger versteht man. Und je mehr Zeugen es gibt, desto weniger wird geredet." Die Schule habe wie "eine Sekte oder ein totalitäres Regime" funktioniert und hohen Druck auf die Schüler und Lehrer ausgeübt, sagte Perlant. Ihre Schilderungen sind auch in einem Buch zu lesen, in dem die mutmaßlichen Opfer über die Gewalt in Bétharram berichten und das am Donnerstag in Frankreich erscheint.
Die Gewalttaten, zu denen auch sexueller Missbrauch gehören soll, sollen sich zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren zugetragen haben. Bei der Staatsanwaltschaft sind rund 200 Anzeigen eingegangen, davon 90 zu sexuellen Übergriffen. Sie betreffen mindestens 13 Priester oder Ordensleute und mehrere weitere Mitarbeiter der Schule, zu der auch ein Internat gehört. Die meisten Fälle sind wohl verjährt.
Die Berichte der ehemaligen Schüler von Bétharram haben in Frankreich eine Schockwelle ausgelöst. Auch an anderen katholischen Einrichtungen erheben mehr und mehr ehemalige Schüler Vorwürfe.
F.Wilson--AT