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Ukraine-Krieg: Ex-Botschafter Melnyk regt diplomatische Initiative Deutschlands an
Der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, Andryj Melnyk, sieht die Bundesregierung in der Lage, eine diplomatische Lösung für den Ukraine-Krieg auszuloten. "Deutschland könnte eine diplomatische Vermittlung anstoßen", sagte Melnyk in einem Interview mit der "Berliner Zeitung" (Wochenendausgabe). In dieser Hinsicht könne Berlin eine "genauso wichtige Rolle" wie die USA übernehmen, fügte der mittlerweile als ukrainischer Botschafter in Brasilien tätige Diplomat hinzu.
"Ganz persönlich glaube ich, dass Bundeskanzler Olaf Scholz kreativ werden und die bestehenden diplomatischen Kanäle Deutschlands nutzen könnte, um auszuloten, ob Gespräche mit (dem russischen Präsidenten Wladimir) Putin sinnvoll wären", sagte Melnyk der "Berliner Zeitung" weiter. Die Bundesrepublik habe immer noch eine Botschaft in Moskau, fügte er an. "Und die Hauptsache ist, dass wir Ukrainer den Deutschen vertrauen."
Melnyk sieht insbesondere in der schwierigen innenpolitischen Lage in Deutschland nach den Erfolgen von AfD und Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bei den Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen einen möglichen Ansporn für eine diplomatische Initiative Deutschlands.
Er sagte dazu: "Die schockierenden Wahlerfolge von AfD und BSW, die als fünfte Kolonne Russlands agieren, waren eine Horrormeldung für die Ukrainer. Aber vielleicht werden sie für die Ampel ein Weckruf sein, auf – zugegeben kuriose – Weise, dass man diplomatische Initiativen auslotet, auch um diesen beiden populistischen Kräften den Wind aus den Segeln zu nehmen."
Weiter sagte Melnyk: "Unser Ziel muss es ja sein, den Wahnsinn dieses blutigen Krieges so schnell wie möglich zu stoppen." Hierfür sei es "überlebenswichtig, dass die Ukraine sehr gute Karten in den Händen hält (...), um Russland zum Rückzug zu zwingen".
Melnyk war von 2015 bis Oktober 2022 ukrainischer Botschafter in Berlin gewesen, danach löste ihn der jetzige Botschafter Oleksii Makeiev ab. Melnyk war wegen seiner oft als provokativ empfundenen Äußerungen umstritten. Im November 2022 wurde er zunächst zum Vize-Außenminister ernannt und wechselte dann im Juni 2023 nach Brasilien.
W.Stewart--AT