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Hisbollah feuert nach eigenen Angaben Dutzende Raketen auf "neues Ziel" in Israel ab
Die islamistische Hisbollah-Miliz im Libanon hat eigenen Angaben zufolge am Samstagabend Dutzende Katjuscha-Raketen auf den Norden Israels abgefeuert. "Der Islamische Widerstand hat die Siedlung Beit Hillel zu seiner Liste der Ziele hinzugefügt und sie zum ersten Mal mit Dutzenden Raketen beschossen", hieß es in einer Erklärung der vom Iran unterstützten und mit der Hamas verbündeten Miliz. Der Angriff erfolgte inmitten zunehmender Spannungen, nachdem der Iran infolge der Tötung mehrerer hochrangiger Vertreter der Hamas und Hisbollah Israel mit Vergeltung gedroht hatte.
Es handele sich um eine Reaktion auf die israelischen Angriffe auf die Ortschaften Kfar Kela und Deir Siriane im Libanon, bei denen Zivilisten verletzt worden seien, hieß es in der Erklärung der Hisbollah weiter. Zuvor hatte die Miliz bekannt gegeben, dass zwei ihrer Kämpfer getötet worden seien, darunter ein 17-Jähriger aus Deir Siriane.
Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen kommt es auch an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon fast täglich zu Gefechten. Die Angriffe hatten sich jüngst intensiviert. Bei Raketenbeschuss aus dem Libanon auf ein Dorf in den Golanhöhen waren vergangene Woche zwölf Kinder und Jugendliche getötet worden.
International wächst die Furcht vor einer Eskalation im Nahen Osten, nachdem der Iran und seine Verbündeten Israel eine "harte Reaktion" auf die Tötung von Hamas-Chef Ismail Hanija bei einem Angriff in Teheran am Mittwoch angekündigt hatten. Nur wenige Stunden zuvor war der Hisbollah-Kommandeur Fuad Schukr in Beirut getötet worden, wofür Israel die Verantwortung übernahm. Zur Tötung Hanijas äußerten sich Israels Armee und Regierung nicht.
Der Iran erklärte am Samstag, die Hisbollah würde nach dem Tod Schukrs Israel auch "in der Tiefe" angreifen und sich "nicht auf militärische Ziele beschränken", teilte die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen laut Angaben der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna mit. Mit der Tötung von Schukr am Dienstag habe Israel eine Grenze überschritten, hieß es.
Die USA erklärten indes, ihre Verteidigungskapazitäten in der Region zu verstärken. Zusätzliche Kriegsschiffe und Kampfjets würden zum Schutz von US-Kräften und zur Verteidigung Israels entsandt, erklärte das Pentagon am Freitag.
Die Außenminister Frankreichs und der USA, Stéphane Séjourné und Antony Blinken, vereinbarten am Samstag in einem gemeinsamen Telefonat, zu Zurückhaltung aufzurufen. Sie würden "alle Parteien zu äußerster Zurückhaltung auffordern, um einen regionalen Flächenbrand zu verhindern, der verheerende Folgen für die Länder der Region hätte", hieß es aus dem französischen Außenministerium. Beide Länder würden zudem die gemeinsamen Bemühungen um einen Waffenstillstand im Gazastreifen fortsetzen.
Die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines annullierte am Samstag die zweite Nacht in Folge ihre Flüge nach Teheran. Einen Grund für die Streichungen gab die Airline nicht an, auch verkündete sie nicht offiziell eine Einstellung der Flugverbindungen.
In mehreren Ländern, darunter die Türkei, Marokko und Jordanien, gingen am Samstag Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Tötung von Hanija zu protestieren und ihre Solidarität mit den Palästinensern zum Ausdruck zu bringen.
In Israel demonstrierten am Samstag erneut Menschen gegen die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der sie vorwerfen, den Krieg zu verlängern, um an der Macht bleiben zu können. Sie forderten erneut ein Abkommen für eine Waffenruhe und eine Freilassung der Geiseln.
Der Krieg im Gazastreifen dauert nun bald zehn Monate an. Ausgelöst wurde er durch den beispiellosen Großangriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober. Bei dem Angriff wurden nach israelischen Angaben 1197 Menschen getötet und 251 als Geiseln verschleppt. Seitdem geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor.
Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden bei israelischen Angriffen im Gazastreifen seither mindestens 39.550 Menschen getötet.
Am Samstagabend meldete der Zivilschutz mindestens 17 Tote durch einen israelischen Luftangriff. Die Behörde sprach am Samstagabend gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von "17 Märtyrern und mehreren Verletzten" nach dem Angriff auf die Hamama-Schule in der Stadt Gaza. Das israelische Militär bestätigte den Angriff und erklärte, dabei sei eine Kommandozentrale der Hamas getroffen worden.
T.Sanchez--AT