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Kiew meldet massiven russischen Drohnenangriff - Moskau kündigt weitere Atomübungen an
Die ukrainische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben in der Nacht zu Mittwoch einen russischen Angriff mit 89 Drohnen und einem Marschflugkörper "abgewehrt". Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach angesichts der erfolgreichen Luftabwehr von einem "wichtigen Ergebnis". Derweil meldete das russische Verteidigungsministerium den Beginn weiterer Übungen zum Einsatz taktischer Atomwaffen, an denen auch in der Ukraine kämpfende Einheiten beteiligt seien.
Die ukrainische Luftwaffe erklärte am Morgen, ihre Luftabwehr habe "einem massiven Angriff feindlicher Drohnen standgehalten". Es habe sich um den heftigsten Angriff der vergangenen Monate gehandelt.
Selenskyj lobte den Einsatz der Luftabwehr. "Die Ukrainer können ihren Himmel vollständig vor russischen Angriffen schützen, wenn sie über ausreichend Nachschub verfügen", erklärte er im Onlinedienst Telegram. Zugleich betonte er, dass die Luftverteidigungsinfrastruktur seines Landes alles andere als unbesiegbar sei. Das gleiche Verteidigungsniveau sei auch "gegen russische Raketen und die Kampfflugzeuge erforderlich", erklärte Selenskyj.
Die Ukraine ist in ihrem Abwehrkampf gegen Russland auf westliche Luftverteidigungssysteme angewiesen, insbesondere auf Lieferungen des US-Patriot-Systems. Selenskyj drängt die Verbündeten seit Wochen, schnell neue Patriot-Systeme zu liefern.
Nach Angaben der Kiewer Militärverwaltung wurden in der Nacht mehr als 40 Drohnen über der Hauptstadt und deren Vororten abgefangen. Durch herabfallende Trümmerteile seien einige Gebäude beschädigt worden. Berichte über Opfer gab es zunächst keine.
Russland greift die Ukraine fast täglich mit Raketen und Drohnen an. Moskau zufolge werden dabei Militär- und Energieeinrichtungen ins Visier genommen, regelmäßig werden jedoch auch Wohngegenden getroffen. Die Ukraine wirft Russland vor, bewusst Zivilisten ins Visier zu nehmen.
Russland hatte im Mai eine Offensive in der Region Charkiw im Osten der Ukraine gestartet. Einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP zufolge konnte Moskau seine Gebietsgewinne in der Ostukraine im Juli festigen. Der am Mittwoch veröffentlichten Analyse liegen Daten des in den USA ansässigen Institute for the Study of War (ISW) zugrunde.
Demnach nahmen russische Truppen im Juli im Osten knapp 200 Quadratkilometer ein. Mehr als drei Viertel davon liegen in der strategisch wichtigen Region Donezk. Ein Durchbruch russischer Truppen in den dort gelegenen und heftig umkämpften Orten Pokrowsk, Toretsk und Tschassiw Jar könnte den russischen Vormarsch auf große zivile Zentren im Osten der Ukraine wie Kramatorsk und Slowjansk beschleunigen.
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar 2022 hat Moskau laut der AFP-Analyse 65.776 Quadratkilometer ukrainisches Territorium erobert. Einschließlich der bereits zuvor annektierten Gebiete wie der Krim und den vier von Russland besetzten Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja besetzt Russland demzufolge nun knapp 108.000 Quadratkilometer ukrainisches Gebiet - dies entspricht 18 Prozent der Ukraine.
Unterdessen informierte das russische Verteidigungsministerium darüber, dass es die dritte Stufe von Übungen mit taktischen Atomwaffen eingeleitet habe. Daran würden auch am Konflikt in der Ukraine beteiligte Einheiten teilnehmen.
Dem Moskauer Ministerium zufolge wurden die "Übungen mit nicht-strategischen Atomwaffen" in den zentralen und südlichen Militärbezirken abgehalten – zu denen mehrere Republiken im Nordkaukasus und die Krim gehören – sowie in den vier von Russland annektierten und teilweise kontrollierten ukrainischen Regionen. Zum südlichen Militärbezirk gehört die russische Stadt Rostow am Don, in der sich Moskaus Hauptquartier für den Militäreinsatz in der Ukraine befindet.
Nach Ministeriumsangaben umfasst diese Übungsphase die Ausbildung von Soldaten an Iskander-M-Raketensystemen und verschiedenen Flugzeugen. Die Militärangehörigen würden im Erhalt von "Spezialmunition" sowie in der Ausrüstung von Raketensystemen und Flugzeugen geschult, hieß es.
Der Kreml hatte die ersten derartigen Übungen im Mai mit Äußerungen westlicher Politiker zu einem möglichen Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine begründet. Zuletzt hatte Moskau die Ankündigung der USA und Deutschlands scharf kritisiert, weitreichende US-Waffensysteme ab 2026 in Deutschland zu stationieren. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach in diesem Zusammenhang von einem weiteren Schritt "in Richtung Kalter Krieg".
Nicht-strategische Atomwaffen, auch als "taktische Atomwaffen" bezeichnet, werden für den Einsatz auf dem Schlachtfeld entwickelt. Strategische Atomwaffen sind hingegen nicht für den Einsatz auf dem Schlachtfeld konzipiert, sondern für Angriffe mit Langstreckenraketen über große Distanzen hinweg.
J.Gomez--AT