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Putin wirft Westen bei Militärparade in Moskau Entfesselung von "Krieg" vor
Bei der großen Militärparade in Moskau zum Gedenken an den Sieg über Nazi-Deutschland hat Russlands Präsident Wladimir Putin dem Westen vorgeworfen, einen "Krieg" gegen Russland gestartet zu haben. "Die Menschheit ist erneut an einem Wendepunkt. Ein Krieg wurde gegen unser Vaterland entfesselt", sagte der russische Staatschef vor tausenden Soldaten und den Spitzen der russischen Politik am Dienstag. Putin rief die russischen Truppen zum "Sieg" auf. Zeitgleich stellte der Chef der russischen Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, in einem Video Russlands Verteidigungsfähigkeit in der Ukraine in Frage.
An der Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau nahmen neben Weltkriegsveteranen auch mehrere hundert Soldaten der Ukraine-Offensive teil. "Nichts ist derzeit wichtiger als Ihr Kampfauftrag", rief Putin den Soldaten zu. Die Sicherheit des Landes sowie "die Zukunft unseres Staates und unseres Volkes" würden von ihnen abhängen. In seiner Rede hob Putin hervor: "Für Russland, für unsere Streitkräfte, für den Sieg! Hurra!"
In den vom russischen Staatsfernsehen übertragenen Aufnahmen waren auf der Tribüne neben Putin die Spitzen der russischen Politik sowie mit Russland verbündete ausländische Staatsoberhäupter zu sehen, darunter der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko, Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan und Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew.
Dem Westen warf Putin in seiner Rede vor, den "Zusammenbruch und die Zerstörung unseres Landes" als Ziel zu haben. Russland werde aber seine "Sicherheit" gewährleisten, sagte er. Der Kreml-Chef hat die Offensive in der Ukraine zunehmend als existenziellen Konflikt dargestellt und als eine Verteidigungsmaßnahme Russlands gegen eine angebliche Aggression des Westens.
Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 hat Putin Russland zunehmend als Erben der im Zweiten Weltkrieg siegreichen Sowjetunion stilisiert. Seinen Militäreinsatz in der Ukraine begründet Russland auch mit der Absicht, das Nachbarland "demilitarisieren" und "entnazifizieren" zu wollen.
Nach der kurzen Ansprache des russischen Staatschefs marschierten tausende von Soldaten mit russischen und sowjetischen Flaggen auf den symbolträchtigen Roten Platz in Moskau. Die traditionellen Feierlichkeiten zum 9. Mai werden in diesem Jahr jedoch von den Rückschlägen der russischen Offensive in der Ukraine überschattet.
In einer zeitgleich zu Putins Rede veröffentlichen Videobotschaft stellte Wagner-Chef Prigoschin mit ungewöhnlich harschen Worten die Fähigkeit des russischen Staates in Frage, das Land zu verteidigen, während sich die Ukraine auf eine Frühjahrsoffensive vorbereite. Inmitten der heftigen Kämpfe um die ostukrainische Stadt Bachmut sei "eine der Einheiten des Verteidigungsministeriums von einer unserer Flanken geflohen" und habe die Front ungesichert zurückgelassen, sagte Prigoschin. Seine Söldner kämpfen dort seit Monaten gegen die ukrainische Armee, die Stadt konnten sie noch nicht vollständig einnehmen.
"Warum ist der Staat nicht in der Lage, sein Land zu verteidigen?" fragte Prigoschin in dem im Online-Dienst Telegram veröffentlichten Video am symbolträchtigen "Tag des Sieges" und fügte hinzu, dass die Ukraine auch russische Grenzregionen "erfolgreich" angreife. Der russischen Militärführung warf er vor, Putin hinsichtlich der Ukraine-Strategie zu "täuschen". Die Soldaten würden wegen der "Dummheit" der russischen Armeekommandeure fliehen, die "kriminelle Befehle" erteilten. "Soldaten sollten nicht wegen der absoluten Dummheit ihrer Führung sterben", sagte der Wagner-Chef.
Prigoschin trägt seit längerem einen offenen Konflikt mit der russischen Militärführung aus, der er auch vorwirft, seinen Männern nicht genug Munition zu liefern. Er hatte deshalb angekündigt, seine Truppen am 10. Mai aus Bachmut abzuziehen.
Dies bekräftigte er im Prinzip am Dienstag, wobei er darauf verwies, dass die Wagner-Söldner bisher "nur zehn Prozent" der Munition erhalten hätten, die sie angefordert hätten. Allerdings schien er einen Rückzug um einige Tage nach hinten zu verschieben: "Wir werden noch einige Tage bleiben, wir werden trotz allem kämpfen."
Zuletzt hatten sich mutmaßliche Drohnenangriffe und Sabotageakte in Russland gehäuft, bei denen Züge entgleisten und Treibstofflager brannten. Die Führung in Moskau macht Kiew verantwortlich. Mehr als zwei Dutzend russische Städte hatten die traditionellen Feierlichkeiten zum Weltkriegsende deshalb abgesagt.
E.Hall--AT