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Wagner-Chef erhält nach Abzugsdrohung Munitionszusagen für Kämpfer in Bachmut
Nach Abzugsdrohungen hat der russische Söldnerführer Jewgeni Prigoschin nach eigenen Worten ausreichende Munitionszusagen erhalten, damit seine Truppen ihren Einsatz in der seit Monaten hart umkämpften ukrainischen Stadt Bachmut fortsetzen können. Die Armee habe ihm in der Nacht einen Kampfbefehl erteilt und versprochen, "uns sämtliche Munition und Waffen zu geben, die wir brauchen um den Einsatz fortzusetzen", sagte der Chef der berüchtigten Söldnergruppe Wagner in einer am Sonntag verbreiteten Audiobotschaft.
Seiner Truppe sei zugesagt worden, "dass alles Notwendige bereitgestellt wird", sagte Prigoschin. Am Freitag hatte er in mehreren Videobotschaften gedroht, seine Söldner am 10. Mai aus Bachmut abzuziehen. Ein Video zeigte ihn vor zahlreichen Leichen, bei denen es sich nach seinen Worten um getötete Wagner-Kämpfer handelt.
Wüst fluchend und schreiend wirft Prigoschin dabei Verteidigungsminister Sergej Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow vor, durch fehlende Munitionslieferungen für den Tod "zehntausender" russischer Kämpfer verantwortlich zu sein. "Sie sind als Freiwillige hierhergekommen und jetzt sterben sie, damit ihr in euren holzgetäfelten Büros fett werden könnt!", schimpft Prigoschin in dem Video.
Um seine Abzugsdrohung zu unterstreichen, bat der Wagner-Chef die russische Führung am Samstag darum, die bisher von den Wagner-Söldnern gehaltenen Stellungen an Kämpfer des Tschetschenenführers Ramsan Kadyrow übergeben zu können. Kadyrow erklärte, seine Kämpfer seien für den Einsatz in Bachmut bereit.
Am Sonntag sagte Prigoschin schließlich, künftig werde der russische Armeegeneral Sergej Surowikin, ein Stellvertreter des von ihm kritisierten Generalstabschefs Gerassimow, den Einsatz der Wagner-Söldner in der Ukraine beaufsichtigen. "Er ist der einzige dekorierte General, der weiß wie man kämpft", sagte Prigoschin in einem erneuten Seitenhieb auf die russische Armeeführung.
Surowikin war im Oktober zum Militärkommandeur für die Ukraine ernannt worden. Drei Monate später wurde er durch Gerassimow abgelöst.
Prigoschin kritisiert die russische Armeeführung seit Monaten immer wieder wegen mangelnder Munitionslieferungen. Die jüngst von ihm verbreiteten Videos waren jedoch in ihrer rüden Wortwahl und persönlichen Kritik außergewöhnlich direkt.
Russische und ukrainische Truppen kämpfen seit Monaten um die ostukrainische Stadt Bachmut. Auf russischer Seite führen die Wagner-Söldner den Kampf an. Angesichts der Dauer der Kämpfe und der hohen Verluste hat der Ort für beide Seiten inzwischen hohe symbolische Bedeutung.
Am Samstag besuchte der Kommandeur der ukrainischen Bodentruppen, Oleksandr Syrsky, die ukrainische Ostfront. "Der Feind wird seine Pläne nicht ändern und tut alles, um die Kontrolle über Bachmut zu erlangen", erklärte er am Sonntag.
Die Ukraine hat in jüngster Zeit die Vorbereitungen für eine Gegenoffensive verstärkt, mit der die russischen Truppen von den durch Russland eroberten Gebieten im Osten und Süden der Ukraine vertrieben werden sollen. Dabei häufen sich die Berichte über Drohnenangriffe und Sabotageakte, die nach Ansicht von Experten Teil der ukrainischen Vorbereitungen sind.
Am Sonntag meldete die russische Armee, sie habe über dem Schwarzen Meer 22 ukrainische Drohnen abgewehrt. Die Behörden auf der von Russland annektierten Krim-Halbinsel meldeten den Abschuss von mehr als zehn Drohnen. Der russische Geheimdienst erklärte, er habe einen Drohnenangriff auf einen Flugplatz in der Region Iwanowo abgewehrt.
Die Ukraine meldete derweil am Samstag erstmals den Abschuss einer russischen Hyperschallrakete. Luftwaffen-General Mykola Oleschtschuk sprach von einem "historischen Ereignis". Der ukrainischen Luftwaffe zufolge wurde die Hyperschallrakete vom Typ Kinschal in der Nacht zum Donnerstag mit einem Patriot-Abwehrsystem vom Himmel über Kiew geholt. Kiews westliche Verbündete hatten Mitte April die ersten Patriots an die Ukraine geliefert.
Angesichts der erwarteten ukrainischen Gegenoffensive forderte Moskau Familien und Kinder sowie alte Leute auf, mehrere von Russland gehaltene Gebiete im Süden der Ukraine zu verlassen. Mehr als 1500 Menschen seien bereits in Sicherheit gebracht worden, darunter mehr als 600 Minderjährige, erklärte der von Russland eingesetzte Verwaltungschef der Region Saporischschja, Jewgeni Balizki, am Sonntag. Von der Teil-Evakuierung sind mindestens 18 Städte und Siedlung betroffen, darunter die Stadt Enerhodar, in der die meisten Beschäftigten des Atomkraftwerks Saporischschja leben.
Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, warnte am Samstag, die Lage im Gebiet rund um das Akw werde "immer unberechenbarer und potenziell gefährlich". Er sei "extrem besorgt" um die atomare Sicherheit und Sicherheitsrisiken für die Anlage.
M.O.Allen--AT