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Schweizer Botschafterin im Iran löst mit Auftritt im Tschador Proteste aus
Die Schweizer Botschafterin im Iran hat sich beim Besuch einer religiösen Stätte in dem von vielen Iranerinnen verhassten Tschador gezeigt und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Das Schweizer Außenministerium wies die Kritik am Donnerstag zurück und erklärte, die Diplomatin Nadine Olivieri Lozano sei für den Besuch einer heiligen Stätte so gekleidet gewesen, wie es dem Protokoll entspreche.
Im Internet hatten sich Bilder der Botschafterin verbreitet, die sie in einem bodenlangen schwarzen Gewand mit einem Kopftuch zeigen, das nur das Gesicht frei lässt. "Während Millionen iranischer Frauen für die Rechte der Frauen kämpfen und wir wissen, dass Tausende dafür getötet wurden, trägt sie einen Schleier und macht so Werbung für die Unterdrücker. Ekelhaft!", schrieb die belgische Abgeordnete Darya Safai auf Twitter.
Die Frauenrechtlerin Nazanin Boniadi, die auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz gesprochen hatte, kritisierte den Auftritt ebenfalls scharf: "Die Schweizer Botschafterin voll bedeckt in religiös-konservativer Kleidung, während mutige iranische Frauen alles für ihre Freiheit riskieren - genau das sollte man nicht tun."
Mehrere Twitter-Nutzer verbreiteten das Bild der verhüllten Botschafterin zusammen mit dem Bild eines im Gesicht blutenden Schulmädchens, das angeblich wegen ihres nicht korrekt getragenen Kopftuchs verprügelt worden sei.
Die Schweizer Botschafterin hatte in Begleitung mehrerer muslimischer Würdenträger eine religiöse Stätte in der Stadt Qom besucht. "Interreligiöser Dialog ist im aktuellen Kontext sehr wichtig", betonte das Schweizer Außenministerium.
Der Iran verlangt auch von Ausländerinnen, sich an die Kleiderordnung zu halten. Dabei ist jedoch ein gewisser Spielraum möglich. "Wenn Sie normalerweise Ihr Haar nicht bedecken, dann vermeiden Sie es wenigstens, sich öffentlich so zu zeigen, während iranische Frauen ihr Leben riskieren, um das Recht auf freie Wahl zu haben", schrieb Boniadi.
Die Schweizer Botschafterin nimmt im Iran eine Sonderstellung ein, weil sie auch die Interessen der USA mit vertritt. Die USA hatten als Reaktion auf eine Geiselnahme in Teheran 1980 die diplomatischen Beziehungen abgebrochen.
Im Iran gibt es seit September massive regierungskritische Proteste. Auslöser war der Tod der 22-jährigen Kurdin Mahsa Amini nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die strikte islamische Kleiderordnung.
A.Anderson--AT