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Bolsonaro zeigt sich erstmals seit seiner Wahlniederlage bei offiziellem Termin
Der scheidende brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat sich erstmals seit seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl vor rund vier Wochen bei einem offiziellen Termin gezeigt. Zusammen mit Vizepräsident Hamilton Mourao und Verteidigungsminister Paulo Sérgio Nogueira, zwei Generälen, nahm Bolsonaro am Samstag (Ortszeit) an einer Zeremonie in der Militärakademie in Resende teil. Seine Anwesenheit verleihe der Veranstaltung "viel Glanz", sagte Armeebefehlshaber Marco Antônio Freire vor fast 400 Offiziersanwärtern.
Seit seiner Wahlniederlage ist Bolsonaro abgetaucht. Er verschanzt sich meist in seiner Residenz und erzeugt so eine beunruhigende Atmosphäre eines Machtvakuums im Land. Traditionelle Aufgaben wie die Entgegennahme der Beglaubigungsschreiben neuer Botschafter überlässt der Noch-Staatschef seinem Vizepräsidenten. Nicht einmal bei hochrangigen internationalen Treffen wie dem G20-Gipfel oder der UN-Klimakonferenz hat sich der Präsident größten Volkswirtschaft Lateinamerikas, der noch bis zum 1. Januar im Amt ist, blicken lassen.
Sein offizieller Terminkalender ist fast leer - abgesehen von kurzen sporadischen Treffen, die fast alle in seiner offiziellen Residenz und nicht im Präsidialamt stattfinden. Auch auf seinen sonst vielgenutzten Onlinemedienkonten ist es seit fast einem Monat untypisch still. Erklärungen seiner Berater zu Bolsonaros Abwesenheit reichen von angeblicher "Traurigkeit" über seine Wahlniederlage bis hin zu einer bakteriellen Hautinfektion an einem seiner Beine.
Bolsonaro hatte die Wahl vor gut vier Wochen knapp gegen den linksgerichteten Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva verloren. Nach der Wahl hatte er sich zunächst nicht zu seiner Niederlage geäußert. Erst nach zwei Tagen signalisierte der rechtsextreme Politiker seine Bereitschaft zu einer friedlichen Machtübergabe an den Wahlsieger Lula - ohne allerdings seine Niederlage explizit einzugestehen.
Erst in dieser Woche hatte Bolsonaros Liberale Partei (PL) eine Beschwerde gegen das Wahlergebnis eingelegt und das Oberste Wahlgericht aufgefordert, alle Stimmen, die mit mehr als 280.000 Wahlmaschinen abgegeben wurden, für ungültig zu erklären. Das Oberste Wahlgericht wies die Beschwerde jedoch ab und verhängte eine hohe Geldstrafe gegen die PL.
In mehreren Städten protestieren Bolsonaros Anhänger indes weiterhin vor Militärkasernen und fordern das Eingreifen der Armee, um eine Amtsübernahme Lulas zu verhindern. Lokalen Medien zufolge begrüßte Bolsonaro am Samstag einige dieser Demonstranten vor der Militärakademie in Resende. Es kursieren bereits Gerüchte, dass Bolsonaro am Tag der Amtseinführung am 1. Januar ins Ausland reisen wolle, um zu vermeiden, Lula die Schärpe des Präsidenten übergeben zu müssen.
W.Morales--AT