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Ebola-Epidemie im Kongo weitet sich aus - US-Patient wird in Berlin behandelt
Nach dem weltweit Besorgnis auslösenden Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo mit bislang mehr als 130 Todesopfern soll ein infizierter US-Bürger in Berlin behandelt werden. "Der Patient wird in der Sonderisolierstation der Charité in Berlin aufgenommen und behandelt werden", erklärte das Gesundheitsministerium am Dienstag. Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) nannte die Lage "extrem ernst". Die WHO rechnet derweil nicht mit einem Ende der Epidemie binnen zwei Monaten.
Die Behörden der USA hätten Berlin angesichts des Ebola-Ausbruchs im Kongo und in Uganda um Hilfe bei der Behandlung des US-Bürgers gebeten, erklärte das Bundesgesundheitsministerium. "Die Bundesregierung hat ihre Unterstützung zugesagt." Derzeit würden dazu "mit allen beteiligten Akteuren entsprechende Vorkehrungen getroffen".
Der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba informierte in der Nacht zum Dienstag über einen deutlichen Anstieg der Opferzahl. Mittlerweile starben in seinem Land demnach 131 der insgesamt 513 Verdachtsfälle an dem Virus. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, äußerte sich besorgt über das "Ausmaß und die Geschwindigkeit" der Ausbreitung. Die WHO berief für Dienstag eine Krisensitzung ein.
Laut der christlichen US-Hilfsorganisation Serge handelt es sich bei dem US-Patienten um ihren Arzt Peter Stafford, der mit seiner Ehefrau - ebefalls eine Ärztin - und drei Kindern in der Demokratischen Republik Kongo lebte. Serge dankte für "die internationale Zusammenarbeit bei der sicheren Versorgung" der Familie sowie eines weiteren Arztes, Patrick LaRochelle, der Ebola-Patienten behandelt hatte.
Das Bundesgesundheitsministerium machte keine Angaben dazu, ob die Familie Staffords, die bisher keine Symptome aufwies, sowie LaRochelle ebenfalls nach Deutschland gebracht würden.
Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte am Montag erklärt, dass sich ein US-Bürger "im Rahmen seiner Arbeit in der Demokratischen Republik Kongo" mit dem Ebola-Virus infiziert habe. Er habe im Laufe des Wochenendes Symptome entwickelt und sei am Sonntagabend positiv auf das Virus getestet worden.
Das US-Außenministerium sprach eine Reisewarnung für die DR Kongo, Uganda sowie für den Südsudan aus. Das Ministerium empfahl zudem, Reisen nach Ruanda zu überdenken.
Für deutsche Staatsbürger gilt keine landesweite Reisewarnung für die DR Kongo, sondern lediglich für mehrere Provinzen. Allerdings riet das Auswärtige Amt in Berlin ein seinem aktuellen Reisehinweisen "von nicht notwendigen Reisen in die übrigen Landesteile der Demokratischen Republik Kongo einschließlich der Hauptstadt Kinshasa" ab.
Entwicklungsministerin Radovan mahnte indes ein schnelles Handeln an, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. "Die Lage ist extrem ernst", erklärte sie. "In diesem Moment zahlt sich aus, dass wir mit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit schon seit vielen Jahren in die Pandemievorsorge in Zentralafrika investieren." Sie verwies auf den Aufbau von Frühwarnsystemen, Trainings von medizinischen Fachleuten sowie Labore, in denen Tests vorgenommen würden.
Die WHO hat wegen der Epidemie am Wochenende eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen - ihre zweithöchste Alarmstufe. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union rief am Montagabend wegen des "hohen Risikos einer regionalen Ausbreitung" für den gesamten Kontinent den Notstand aus.
Das Zentrum der Epidemie befindet sich in Ituri, einer Provinz im Nordosten der DR Kongo, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Auch aus der Nachbarprovinz Nord-Kivu wurden Verdachtsfälle gemeldet.
Die WHO-Repräsentantin im Kongo, Anne Ancia, mahnte: "Ich glaube nicht, dass diese Epidemie in zwei Monaten vorbei sein wird." Sie erinnerte daran, dass die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo 2018 bis 2020 zwei Jahre gedauert habe. Damals hatte es fast 2300 Todesopfer gegeben.
Die gegenwärtige Ebola-Epidemie wird von der seltenen Bundibugyo-Variante verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. Die Sterblichkeitsrate dieser Variante liegt bei 30 bis 50 Prozent.
US-Außenminister Marco Rubio warf der WHO derweil vor, den Ebola-Ausbruch zu spät erkannt zu haben. Auf die Frage, wie die USA darauf reagieren würden, sagte Rubio, dies liege "natürlich bei der CDC und der Weltgesundheitsorganisation, die diese Sache leider etwas zu spät erkannt hat". Präsident Donald Trump hatte kurz nach der Amtsübernahme den Austritt der USA aus der WHO verkündet.
H.Gonzales--AT