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WHO sieht keinen Grund zur Sorge wegen Hantavirus - neue Verdachtsfälle gemeldet
Angesichts neuer Hantavirus-Verdachtsfälle nach dem tödlichen Ausbruch auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Panik gewarnt: Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sei "absolut gering", sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Freitag in Genf. Spanien und Großbritannien meldeten neue Verdachtsfälle. Spanien kündigte an, die ersten Passagiere würden direkt nach der Ankunft der "Hondius" vor der spanischen Insel Teneriffa in ihre Heimatländer ausgeflogen.
WHO-Sprecher Lindmeier sagte, das Hantavirus sei zwar gefährlich, "aber nur für die Person, die wirklich infiziert ist". Der Virus-Ausbruch auf der "Hondius" geht auf das Andesvirus zurück, einen in Südamerika verbreiteten Virusstamm, bei dem Übertragungen von Mensch zu Mensch möglich sind. Für diesen Übertragungsweg sei aber "sehr enger Kontakt" nötig, sagte Lindmeier. Er wies darauf hin, dass selbst Menschen, die auf dem Schiff in den selben Kabinen übernachtet hatten, "in manchen Fällen nicht infiziert worden sind".
Die "Hondius" hatte bis Mittwoch tagelang vor Kap Verde vor Anker gelegen. Der Inselstaat vor der Westküste Afrikas wollte das Schiff nicht anlegen lassen, nachdem das Hantavirus an Bord festgestellt worden war. Drei Passagiere starben bisher an den Folgen der Infektion: ein niederländisches Ehepaar und eine Frau aus Deutschland.
Am Sonntag wird die "Hondius" vor Teneriffa erwartet. Vor der Weiterfahrt in Richtung der Kanaren-Insel waren am Mittwoch drei Menschen von dem Schiff evakuiert worden, zwei erkrankte Besatzungsmitglieder aus Großbritannien und den Niederlanden und eine Kontaktperson aus Deutschland. Die Frau wurde in die Uniklinik Düsseldorf gebracht und getestet. Wie die Klinik am Freitag mitteilte, wurde der Erreger in den Laboruntersuchungen bisher nicht nachgewiesen.
Die "Hondius" war am 1. April in Ushuaia in Argentinien zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb nach Angaben des Kreuzfahrtveranstalters Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April mit anderen Passagieren auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Am 2. Mai starb auf dem Schiff zudem eine Passagierin aus Deutschland, ihre Leiche ist noch an Bord.
Die WHO vermutet, dass sich der Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging. Nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums hatte er mit seiner Frau seit Ende November Argentinien, Chile und Uruguay bereist. Wo genau er sich ansteckte, ist demnach weiter unklar.
Angesichts der langen Inkubationszeit, die bis zu sechs Wochen betragen kann, sind laut WHO-Chef Tedros Adhanom weitere Infektionsfälle nicht ausgeschlossen. Weltweit wird nun nach möglichen Infizierten und Kontaktpersonen gesucht.
Kontaktiert werden unter anderem alle Insassen des Flugzeugs, mit dem die später verstorbene Niederländerin nach Johannesburg geflogen war. Eine Flugbegleiterin der niederländischen Fluggesellschaft KLM, die mit leichten Symptomen in Amsterdam ins Krankenhaus gekommen war, wurde nach Angaben der WHO inzwischen negativ auf das Hantavirus getestet.
Auch Spanien meldete am Freitag einen Verdachtsfall. Laut Behörden handelt es sich um eine Frau, die kurzzeitig zwei Reihen hinter der später verstorbenen Niederländerin saß. Die Spanierin aus Alicante wurde demnach mit Symptomen wie Husten ins Krankenhaus eingeliefert. Ein Testergebnis stehe noch aus.
Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA meldete einen Verdachtsfall auf der Insel Tristan da Cunha im Südatlantik. Zur selben Inselgruppe gehört die Insel St. Helena, auf der unter anderem die später verstorbene Niederländerin von Bord gegangen war. Das britische Außenministerium hat den Angaben zufolge bereits ein Flugzeug für Briten an Bord der "Hondius" gechartert. Auch das US-Außenministerium kündigte einen Flug an, mit dem Passagiere aus den Vereinigten Staaten von dem Schiff zurück in ihre Heimat gebracht werden sollten.
Die Evakuierung der Passagiere an Bord der "Hondius" vor Teneriffa muss laut den Behörden der Kanarischen Inseln aus Wettergründen in einem "engen Zeitfenster" zwischen Sonntagmittag und Montag stattfinden. Anfang der Woche könnte sich das Wetter verschlechtern, sagte ein Sprecher der Regionalregierung. Wenn die Evakuierung bis dahin nicht erfolgt sei, müsse das Schiff "seine Reise fortsetzen". Theoretisch sei eine weitere Evakuierungsaktion dann erst "Ende Mai" möglich.
D.Lopez--AT