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Steakhauserbin Christina Block wegen Kindesentführung in Hamburg vor Gericht
Vor dem Hamburger Landgericht hat am Freitag der Prozess gegen die Steakhauskettenerbin Christina Block wegen des Vorwurfs der gewaltsamen Entführung von zwei ihrer Kinder begonnen. Die 52-Jährige muss sich gemeinsam mit mehreren mutmaßlichen Mittätern, darunter der Sportjournalist und Fernsehmoderator Gerhard Delling, verantworten, weil sie die Verschleppung der Kinder von ihrem Vater in Dänemark in der Silvesternacht 2023/24 in Auftrag gegeben haben soll. Blocks Verteidigung wies die Vorwürfe als "dünn" zurück und betonte deren "Unschuld".
Block habe "zu keinem Zeitpunkt dritten Personen" den Auftrag zu einer Rückholung ihrer Kinder gegeben, sagte ihr Anwalt Otmar Kury vor Gericht. Blocks Verteidiger Ingo Bott erklärte, es habe sich mutmaßlich um eine von einem für die Familie Block tätigen israelischen Sicherheitsdiensleister eigenmächtig organisierte Organisation gehandelt. Block habe vorab nichts gewusst. "Sie hat selbst Fragen und Zweifel."
Neben Block sind mehrere weitere Beschuldigte als Mittäter angeklagt, darunter ein im vorigen Jahr auf Zypern gefasster 35-jähriger Israeli sowie ein 62-jähriger Deutscher. Zu den Beschuldigten gehört auch der wegen Beihilfe angeklagte Delling, der Blocks Lebensgefährte ist. Es wird mit einem langen Prozess gerechnet. Es wurden bereits Termine bis Dezember geplant.
Hintergrund der mutmaßlichen Entführung ist der Anklageschrift zufolge ein eskalierter jahrelanger Sorgerechtsstreit zwischen Block und ihrem früheren Ehemann, die gemeinsam vier Kinder haben. Dieser behielt die beiden jüngsten Kinder im August 2021 nach einem vereinbarten Besuch an seinem neuen Wohnort im süddänischen Gravenstein nahe der deutschen Grenze bei sich.
In der Silvesternacht 2023/2024 sollen der 35-jährige Israeli sowie fünf weitere teils noch gesuchte Verdächtige dem Vater in Dänemark aufgelauert und ihn niedergeschlagen haben. Die beiden damals zehn- und 13-jährigen Kinder sollen sie dann in ein Auto gezerrt haben. Bei Fahrzeugwechseln sollen sie den sich wehrenden Kindern unter anderem mit Klebeband den Mund zugeklebt sowie die Tochter an den Händen gefesselt haben.
Laut Anklage fuhren sie die Kinder in einem Wohnmobil nach Baden-Württemberg, wo sie bis zum Eintreffen von Block am 2. Januar 2024 gegen ihren Willen festgehalten worden sein sollen. Delling soll unter anderem die gemeinsame Rückkehr mit den Kindern nach Hamburg koordiniert haben. Dort wurden die Kinder später von einem Anwalt in die Obhut der Polizei übergeben.
Rechtlich geht es unter anderem um den Vorwurf der sogenannten schweren Entziehung Minderjähriger, der Freiheitsberaubung und der gefährlichen Körperverletzung. Die Kinder seien bei der Tat "gequält und roh misshandelt" worden, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft bei der Anklageverlesung. Sie seien so auch der Gefahr psychischer Schädigungen ausgesetzt worden.
Die Verteidigung Blocks und anderer Beschuldigter kritisierte zum Prozessauftakt die Arbeit der Staatsanwaltschaft sowie den als Nebenkläger am Verfahren teilnehmenden Kindsvater, Blocks ehemaligem Ehemann. Dieser habe die beiden Kinder seit 2021 rechtswidrig bei sich in Dänemark behalten und seinerseits eine Kindesentziehung begangen. Zudem sprach die Verteidigung davon, dass dieser die Kinder manipuliere und bewusst isoliere.
Block ist eines der Kinder des Gastronomieunternehmers Eugen Block. Er gründete die nach ihm benannte Firmengruppe Block, zu der unter anderem die Restaurantketten "Block House" und "Jim Block" sowie Hotels gehören. Block und ihr ehemaliger Ehemann trennten sich 2014. Ihr neuer Partner Delling war ARD-Sportkommentator, seine Analysen von Fußballländerspielen mit dem früheren Nationalspieler Günter Netzer wurden legendär.
Die beiden Block-Kinder befinden sich bei ihrem Vater, dem ein dänisches Gericht inzwischen das Sorgerecht zusprach. Blocks Versuche, dagegen in Deutschland im Rahmen familienrechtlicher grenzüberschreitender Schritte vorzugehen, scheiterten. Sowohl Block als auch Delling und mehrere weitere Angeklagte kündigten am Freitag über ihre Verteidiger an, sich im Verlauf des weiteren Verfahrens ausführlich zu den Vorwürfen zu äußern.
Auch Dellings Rechtsanwalt kritisierte die Staatsanwaltschaft und den Kindsvater scharf. Letztlich werde mit Block aus einem Opfer einer Kindesentziehung eine Täterin gemacht. Vorgänge in der Silvesternacht seien nicht von den vorherigen Ereignissen im Sorgerechtsstreit zu trennen, die Mutter habe damals das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht gehabt. Dies habe auch Auswirkungen auf Delling. Er habe sich nicht schuldig gemacht.
O.Ortiz--AT