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Prozess um Social-Media-Sucht: Instagram und Youtube sollen mehrere Millionen Schmerzensgeld zahlen
Wegweisendes Urteil zu Social-Media-Sucht in den USA: Ein Geschworenengericht in Los Angeles hat die Onlineplattformen Instagram und Youtube zur Zahlung von insgesamt sechs Millionen Dollar (rund 5,2 Millionen Euro) verurteilt. Zu einem Schmerzensgeld von drei Millionen Dollar für die heute 20-jährige Klägerin kommt ein Bußgeld in gleicher Höhe. Die Konzerne kündigten Berufung an.
Die Klägerin Kaley G. M. warf Instagram und Youtube vor, sie als Minderjährige abhängig gemacht und ihr schwere psychische Schäden zugefügt zu haben. Die Instagram-Mutter Meta soll nun 70 Prozent der Gesamtsumme tragen, also 4,2 Millionen Dollar, die Youtube-Mutter Google weitere 1,8 Millionen Dollar.
Die Geschworenen hielten es in ihrem Grundsatzurteil für erwiesen, dass beide Unternehmen bei Gestaltung wie Betrieb ihrer Plattformen fahrlässig handelten. Die Konzerne hätten gewusst oder wissen müssen, dass ihre Dienste eine Gefahr für Minderjährige darstellen und hätten die Nutzer nicht ausreichend vor den Risiken gewarnt, hieß es in der Begründung.
Kaley G. M. hatte bei ihrer Aussage Ende Februar von ihrem Suchtverhalten und dadurch ausgelösten Angstzuständen und Depressionen berichtet. Selbst wenn sie auf Instagram gemobbt worden sei, sei sie auf der App geblieben. "Wenn ich nicht online war, hatte ich einfach das Gefühl, etwas zu verpassen", sagte sie. Nach Angaben ihres Anwalts war Kaley bis zu 16 Stunden pro Tag auf den Plattformen.
Ihr Anwalt Mark Lanier argumentierte vor Gericht, die Internetkonzerne hätten mit Social-Media-Apps "eine Sucht in den Gehirnen von Kindern erzeugt". Ihnen sei es darum gegangen, sie möglichst lange auf den Plattformen zu halten, um die Werbeeinnahmen zu steigern.
Instagram-Chef Adam Mosseri bestritt dagegen ein Suchtpotenzial der App. In dem siebenwöchigen Prozess sagte auch Meta-Chef Zuckerberg aus. Er räumte Probleme bei der Alterskontrolle der Nutzerinnen und Nutzer ein, die nach den Instagram-Regeln mindestens 13 Jahre alt sein sollen.
Meta und Google wollen das Urteil nun anfechten. Die psychische Gesundheit von Heranwachsenden sei komplex und könne nicht alleine auf eine App zurückgeführt werden, erklärte ein Meta-Sprecher. Google argumentierte, Youtube sei überhaupt kein soziales Netzwerk, sondern eine reine Streaming-Plattform.
Ursprünglich richtete sich das Zivilverfahren auch gegen Tiktok und Snapchat. Beide Plattformen erzielten vorab jedoch außergerichtliche Einigungen.
"Dieses Urteil ist größer als ein einzelner Fall", erklärten die Anwälte von Kaley G. M. Das Urteil sei ein "Referendum – von Geschworenen an eine ganze Branche –, dass die Zeit der Verantwortung gekommen ist."
Der Musterprozess könnte den Weg für eine Klagewelle ebnen: In den USA werfen mehr als tausend Nutzerinnen und Nutzer den Internet-Plattformen vor, sie abhängig gemacht und damit für Depressionen, Essstörungen oder Psychiatrie-Aufenthalte verantwortlich zu sein. In manchen Fällen geht es sogar um Suizid.
So wie bei der Tochter von Lori Schott: Die 64-Jährige aus Colorado brach bei der Urteilsverkündung in Los Angeles in Tränen aus. Ihre Tochter habe sich als Jugendliche das Leben genommen, weil sie sich im Vergleich mit anderen Social-Media-Profilen "hässlich" gefühlt habe, erzählte sie. Das Urteil "werde die Welt sicherer machen", sagte die Landwirtin, die den Prozess wie rund ein Dutzend weitere Mütter verfolgte.
In Deutschland und vielen anderen Länder wird über Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche diskutiert. Als weltweit erster Staat hat Australien die Nutzung für junge Menschen unter 16 Jahren untersagt.
A.Taylor--AT