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Prozess um spektakulären Diebstahl von Keltengoldschatz in Manching begonnen
Ihr Vorgehen klingt nach einem Gangsterfilm, doch diese mutmaßlichen Diebe waren knallharte Berufsverbrecher ohne Hollywoodallüren: Vor dem Landgericht im bayerischen Ingolstadt hat am Dienstag der Prozess gegen vier Männer begonnen, die für den spektakulären Diebstahl des historischen Keltengoldschatzes von Manching verantwortlich sein sollen. Dazu kommt eine Vielzahl weiterer Diebstähle, die sie zu Millionären gemacht haben sollen.
Laut Anklage sollen die vier Beschuldigten vor etwas mehr als zwei Jahren Goldmünzen aus der Keltenzeit aus dem Museum in Manching gestohlen haben. Von den damals entwendeten 3,7 Kilogramm Gold tauchten bisher nur 500 Gramm in eingeschmolzener Form wieder auf. Von dem Prozess, für den nach Angaben des Gerichts bereits Verhandlungstage bis Juni angesetzt wurden, werden daher auch Erkenntnisse zum Verbleib der restlichen Münzen erhofft.
Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Angeklagten schweren bandenmäßigen Diebstahl vor, womit ihnen bis zu zehn Jahre Haft drohen. Sie sollen als Teil einer Bande aus Mecklenburg-Vorpommern demnach bereits ab 2014 in insgesamt 30 Fällen Einbrüche begangen und so Millionen erbeutet haben.
Diese Tatserie blieb lange unaufgeklärt, erst durch die Ermittlungen zu dem spektakulären Museumsdiebstahl in der kleinen Gemeinde bei Ingolstadt vom 22. November 2022 wurden sie ebenfalls den Verdächtigen im Alter von 43 bis 51 Jahren zugeordnet. Diese hinterließen laut Anklage in der Nähe des Museums verschiedene Werkzeuge, an denen sich ihre DNA-Spuren fanden.
Entsprechend der langen Liste der Tatvorwürfe dauerte die Verlesung der Anklage am Dienstag, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Einlassungen der Beschuldigten gab es demnach nicht. Sie verweigern seit ihrer Festnahme die Aussage. In der kommende Woche soll die Beweisaufnahme beginnen.
Laut Staatsanwaltschaft gingen die Beschuldigten bei den Einbrüchen sehr professionell vor und sabotierten zuvor unter anderem Verteilerkästen der Telekom, damit Alarmanlagen keine Signale weiterleiten konnten. Außerdem platzierten sie Störsender, um eine Alarmierung per Funk zu unterbinden. Auch neben dem Keltenmuseum fanden Ermittler nach der Tat eine Antenne.
In dem Museumsgebäude befand sich der größte keltische Goldfund des 20. Jahrhunderts - etwa 480 im Jahr 1999 eher zufällig gefundene Goldmünzen. Die aus der Zeit um hundert vor Christus stammenden Münzen galten als historisch bedeutsamer Fund - den die Diebe ohne Alarmanlage ungestört klauen konnten. Die 3,74 Kilogramm an Münzen schmolzen sie vermutlich ein - es wurden bisher nur 500 Gramm in zusammengeschmolzener Form gefunden.
Die an den mutmaßlichen Tatwerkzeugen in Manching gefundene DNA brachte den Hinweis darauf, dass es sich um mutmaßliche Serientäter handelt. Sie sollen zu einer Bande aus Mecklenburg-Vorpommern gehören, die immer nach derselben Masche vorging. Nach der Sabotage der Telefonverbindungen und Alarmanlagen drangen sie maskiert in ihre Zielobjekte ein und öffneten Tresore und Geldautomaten. Zu diesen gehörten Supermärkte und Tankstellen.
Von 2014 bis 2022 konnten die Ermittler insgesamt 30 weitere von der Öffentlichkeit wenig beachtete Fälle mit den Verdächtigen in Verbindung bringen. Fast nie hinterließen diese Spuren - bis sie auf die Idee kamen, auch in das Museen einzubrechen. Nötig hatten die Angeklagten dies laut Anklage eigentlich nicht mehr - jeder Einzelne soll über mehr als zwei Millionen Euro verfügt haben. Unklar ist, ob es Gier oder die nur die Freude am Verbrechen war, welche die Männer zum Keltenschatz führte.
Y.Baker--AT