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Bewährungsstrafe wegen Steuerbetrugs für Schauspielerin Isabelle Adjani gefordert
Wegen Verdachts auf schweren Steuerbetrug und Geldwäscherei hat die französische Justiz eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten für die Schauspielerin Isabelle Adjani gefordert. Die 68-Jährige war nicht zum Auftakt des Prozesses in Paris erschienen, in dem es unter anderem um ihren Steuerwohnsitz in Portugal geht. "Sie hat sich geirrt, sie ist einem falschen Ratschlag gefolgt", betonte ihr Anwalt Stéphane Babonneau am Donnerstagabend, mit Blick auf den Steuerwohnsitz.
Die Staatsanwaltschaft forderte zudem eine Geldstrafe in Höhe von 250.000 Euro. Das Urteil soll am 14. Dezember bekannt gegeben werden.
Adjani habe ihren Hauptwohnsitz und ihre berufliche Aktivität 2016 und 2017 in Frankreich und nicht in Portugal gehabt, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Durch den fiktiven Steuerwohnsitz in Portugal habe sie auf illegale Weise 236.000 Euro Einkommenssteuer gespart.
Adjani hatte die Vorwürfe zunächst bestritten. "Ich habe (in Portugal) eine Wohnung mit Parkplatz gemietet und sie in ein Loft umgewandelt. Dort ist mein ganzes Leben zwischengelagert", sagte sie der Zeitschrift "Paris Match". Wenn sie nach Paris komme, übernachte sie bei Freunden oder im Hotel. Während des Verfahrens räumte ihre Verteidigung einen "Irrtum" ein und verwies darauf, dass sie die Summe nachgezahlt habe.
In dem Prozess geht es zudem um eine Schenkung eines senegalesischen Geschäftsmannes im Jahr 2013 in Höhe von zwei Millionen Euro, die Adjani nach Auffassung der Staatsanwaltschaft fälschlicherweise als Kredit ausgegeben hat, um Steuern zu sparen. Nach Darstellung ihres Anwaltes handelte es sich jedoch um ein Darlehen eines Freundes, der zudem Pate ihres Sohnes sei.
Der Vorwurf der Geldwäsche betrifft eine Summe von 119.000 Euro, die von einem Offshore-Unternehmen über ein nicht deklariertes US-Konto nach Portugal transferiert wurde. Adjanis Anwalt erklärte, dass es sich dabei um ein Geschenk an die Familie ihrer Haushälterin gehandelt habe.
Die Affäre war durch die sogenannten Panama Papers ausgelöst worden, die Hinweise auf Offshore-Aktivitäten gaben. "Adjani hat zwischen 2013 und 2017 systematisch versucht, ihre Besteuerung zu verringern (...) und hat sich entschieden, dies auf illegale Weise zu tun", erklärte die Staatsanwaltschaft. Adjanis Anwalt warf der Justiz vor, die Schauspielerin nicht wie eine gewöhnliche Bürgerin zu behandeln, und forderte einen Freispruch.
Das Gericht hatte am Donnerstag zunächst einen einen Antrag auf Verschiebung abgelehnt. "Es gibt Gründe anzunehmen, dass sie sich bewusst in die Lage versetzt hat, nicht kommen zu können", sagte der Staatsanwalt mit Blick auf das ärztliche Attest, das ihre Verteidigung vorgelegt hatte. Diese hatte erklärt, dass die Schauspielerin wegen einer akuten Krankheit nicht aus New York anreisen könne.
Adjani zählte in den 80er und 90er Jahren zu den bedeutendsten französischen Filmstars. Sie wurde mit insgesamt fünf César-Filmpreisen ausgezeichnet, unter anderem für "Camille Claudel", "Die Bartholomäusnacht" und "Heute trage ich Rock!". Die Schauspielerin hat einen franko-algerischen Vater und eine deutsche Mutter, wurde in Paris geboren und wuchs zweisprachig auf.
S.Jackson--AT