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1,5 Millionen Menschen bei Abendgebet mit Papst Franziskus nahe Lissabon
Mehr als 1,5 Millionen Menschen haben sich beim Weltjugendtag in Portugal zu einem Abendgebet mit Papst Franziskus versammelt. "Wir sind die Jugend des Papstes", rief die Menge, die sich den Tag über in der Nähe der Hauptstadt Lissabon in einem Park am Fluss Tejo versammelt hatte. Zuvor hatte das 86-jährige Kirchenoberhaupt den Wallfahrtsort Fátima besucht und dort die Offenheit seiner Kirche für alle Menschen betont.
"Es ist sehr beeindruckend, umherzulaufen und diese große Zahl an Katholiken zu sehen, die sich heute versammelt haben", sagte die 19-jährige Portugiesin Ana Carvalho. Der Vatikan sprach unter Berufung auf die portugiesischen Behörden von rund 1,5 Millionen Teilnehmern. Die Organisatoren hatten nach eigenen Angaben mit einer Million Teilnehmern gerechnet.
Schon Stunden vor dem Abendgebet war die Menge zusammengeströmt. Sie vertrieben sich die Zeit bis zum Erscheinen des Papstes in seinem Papamobil mit Singen, Tanzen oder Kartenspielen. Viele hatten Schlafsäcke dabei, um vor Ort zu übernachten.
Während der Wartezeit schützten sich die Menschen mit Schirmen oder improvisierten Zelten vor der brennenden Sonne oder schütteten sich Wasser über den Kopf. Der portugiesische Wetterdienst hatte vorab vor Temperaturen von bis zu 36 Grad gewarnt.
Vor dem Abendgebet hatte Franziskus am Samstag den portugiesischen Wallfahrtsort Fátima besucht und war dort von rund 200.000 Gläubigen bejubelt worden. Der 86-Jährige traf mit einem Hubschrauber in dem Pilgerort ein und nahm anschließend in seinem Papamobil ein Bad in der Menschenmenge auf dem Platz an der Kapelle, an deren Standort drei Kindern im Jahr 1917 nach katholischer Überzeugung die Jungfrau Maria erschienen sein soll.
"Viva!" riefen Menschen und winkten, als Franziskus vorbeifuhr. Auf seiner Runde über den Platz hielt der Papst mehrfach an und ließ Babys zu sich bringen, die er auf den Kopf küsste. Der Papst hält sich seit Mittwoch in Portugal auf, um an dem einwöchigen katholischen Weltjugendtag in Lissabon teilzunehmen.
Franziskus ließ die für seine geplante Rede in Fátima erwarteten Themen aus und improvisierte seine Ansprache. Er bekräftigte seine in Portugal schon mehrfach vorgetragene Botschaft von einer Kirche, die für alle "offen" sei - "ohne Ausgrenzung". "Die Kirche hat keine Türen, damit alle eintreten können", sagte der Papst.
Nach Angaben eines Vatikansprechers hatte der Pontifex schon am Vortag wegen Sehbeschwerden eine seiner Reden improvisiert. An diesem Samstag aber sei Franziskus bewusst vom Redetext abgewichen, sagte der Sprecher zur Nachrichtenagentur AFP.
Vor seiner Rückkehr per Hubschrauber ins 150 Kilometer südlich von Fátima gelegene Lissabon betete Franziskus den Rosenkranz mit 112 kranken Jugendlichen, Menschen mit Behinderungen und Gefängnisinsassen. Im Onlinedienst X, der früher Twitter hieß, teilte der Papst mit, er habe für die "Kirche und die Welt, insbesondere für Länder im Krieg" gebetet.
Dem katholischen Glauben zufolge war in einer Grotte nahe Fátima drei Kindern einer Schäferfamilie vor mehr als hundert Jahren, am 13. Mai 1917, die Jungfrau Maria zum ersten Mal erschienen. Sechs Monate lang soll sich ihnen Maria jeweils am 13. des Monats gezeigt haben. In dem Wallfahrtsort, einem der bedeutendsten der katholischen Kirche, werden für dieses Jahr sechs Millionen Besucher erwartet.
Zum Abschluss des Weltjugendtages will Franziskus am Sonntagmorgen eine Freiluft-Messe feiern.
F.Ramirez--AT