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Ausgebrannter Auto-Frachter in Hafen an Grenze zu Deutschland angekommen
Der vor mehr als einer Woche in der Nordsee in Brand geratene Auto-Frachter hat einen sicheren Hafen erreicht: Schleppschiffe zogen die schwer beschädigte "Fremantle Highway" am Donnerstag in den niederländischen Hafen von Eemshaven direkt an der Grenze zu Deutschland. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) erklärte, damit sei das Wattenmeer "einer potenziell verheerenden Umweltkatastrophe" entgangen.
Schaulustige beobachteten die Ankunft der "Fremantle Highway" in Eemshaven. Der niederländische Infrastrukturminister Mark Harbers erklärte, das Feuer an Bord sei erloschen. Es seien keine Flüssigkeiten oder andere Stoffe aus dem Schiff ausgelaufen.
Was mit der Schiffsladung weiter passiert, liege in der Verantwortung des Schiffseigners, teilte die zuständige Behörde mit. Hafenmeister Pieter van der Wal erklärte, das Schiff bleibe voraussichtlich bis Oktober in Eemshaven, um die Autos von Bord zu bringen.
Die mit rund 3800 Autos beladene "Fremantle Highway" hatte tagelang brennend in der Nordsee getrieben. Am Sonntag und Montag war der Frachter zunächst zu einem Not-Ankerplatz nördlich der niederländischen Wattenmeer-Inseln Schiermonnikoog und Ameland geschleppt worden, um ihn aus stark befahrenen Schifffahrtsrouten herauszubringen.
Obwohl das Schiff nach Experteneinschätzung zuletzt weitgehend stabil war, wollten die niederländische Behörden den Frachter so schnell wie möglich in einen Hafen bringen: Die Gefahr eines Öllecks aus dem havarierten Schiff oder sogar eines Untergangs in unmittelbarer Nähe zum Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer wurde angesichts sich verschlechternder Wetterbedingungen als zu groß eingeschätzt.
Am Donnerstagmorgen begannen Bergungsexperten damit, den 18.500 Tonnen schweren Frachter in den 64 Kilometer von dem Not-Ankerplatz entfernten Hafen von Eemshaven zu schleppen, der unweit von Emden in der Ems-Mündung liegt.
Die für Wasserwege zuständige niederländische Behörde Rijkswaterstaat begründete die Entscheidung für Eemshaven mit der relativ kurzen Abschleppstrecke und der geeigneten Infrastruktur. Während des gesamten Schleppvorgangs waren Spezialisten an Bord. Der Frachter wurde zudem von einem Spezialschiff zum Auffangen von Öl begleitet.
Auch das Land Niedersachsen stand während der Überführung des Frachters "in engem Austausch" mit den niederländischen Behörden und hielt mehrere Spezialschiffe zur Ölbekämpfung und zur Schlepphilfe bereit, wie Umweltminister Christian Meyer (Grüne) mitteilte. Bundesumweltministerin Lemke dankte nach der Ankunft in Eemshaven allen Einsatzkräften, "die in den letzten Tagen ein noch größeres Unglück für die Meeresnatur verhindert haben".
Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) erklärte, die "Fremantle Highway" werde im Hafen nun "noch einige Zeit abkühlen müssen". Dann gehe es darum, das Wrack zu untersuchen, die Unglücksursache zu finden und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Vorschnelle Debatten über die Sicherheit beim Transport von Elektroautos seien dabei "wenig hilfreich".
Das unter der Flagge Panamas fahrende Frachtschiff war auf dem Weg von Bremerhaven nach Ägypten und Singapur, als in der Nacht zum 26. Juli ein Feuer an Bord ausbrach. Ein Besatzungsmitglied kam ums Leben, 22 Menschen konnten von Bord des Schiffes gerettet werden. Über die Brandursache wird immer noch spekuliert. Möglicherweise hatte eines der knapp 500 Elektroautos an Bord Feuer gefangen. Deren Batterien lassen sich schwer löschen.
Der Grünen-Politiker Meyer hatte als Reaktion auf die Havarie der "Fremantle Highway" und andere Zwischenfälle mit Frachtern in der Nordsee gefordert, Schifffahrtsrouten für Autotransporter und andere Gefahrgut-Transporte weiter von der Küste entfernt zu verlegen. Auch der Umweltverband Nabu forderte ein Verbot von Gefahrgut-Transporten nahe dem Wattenmeer und strengere Brandschutz-Auflagen, vor allem für den Transport von Batteriefahrzeugen. Mit den aktuellen Regeln sei "die nächste brenzlige Situation" für das Wattenmeer "nur eine Frage der Zeit".
Die "Fremantle Highway" hatte nach Angaben des Bundesumweltministeriums 1600 Tonnen Schweröl sowie 200 Tonnen Marinediesel an Bord. Ihr Untergang hätte daher eine Ölpest mit verheerenden Folgen für das empfindliche Ökosystem im Wattenmeer auslösen können.
Das Schiff gehört dem japanischen Unternehmen Shoei Kisen Kaisha und wurde von der japanischen Firma K Line gechartert. Die Verluste durch den Schiffsbrand belaufen sich laut der niederländischen Nachrichtenagentur ANP auf mehr als 300 Millionen Euro.
T.Wright--AT