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Türkischer Oppositionskandidat bricht mit Bekenntnis zum Alevitentum mit Tabu
Der Präsidentschaftskandidat des türkischen Oppositionsbündnisses, Kemal Kilicdaroglu, hat erstmals öffentlich seine Zugehörigkeit zum Alevitentum thematisiert - und so mit einem großen Tabu in der Türkei gebrochen. Es sei an der Zeit, dieses "sehr sensible" Thema anzusprechen, sagte Kilicdaroglu in einem im Onlinedienst Twitter veröffentlichten Video. "Ich bin Alevit, ich bin ein aufrichtiger Muslim", fügt er darin hinzu.
Die Aleviten, die einigen Regeln und Riten des Islam nicht folgen, sind in der Vergangenheit in der Türkei Opfer von Diskriminierung und Massakern geworden. Strengen Sunniten gelten sie nach wie vor als Ketzer.
Kilicdaroglu könnte bei einem Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Mai der erste alevitische Staatschef der Türkei werden. Im Falle seiner Wahl hat er ein Ende der Diskriminierung sowie der "konfessionellen Streitigkeiten, die Leid verursacht haben", versprochen.
Kilicdaroglu stammt aus der historisch rebellischen Provinz Dersim (heute Tunceli), in der hauptsächlich Kurden und Aleviten leben. Vor seiner Kandidatur hatten Beobachter prophezeit, der 74-Jährige werde es schwer haben, konservative sunnitische Wähler zu überzeugen.
Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in der Vergangenheit die Aleviten ins Visier genommen. So behauptete er etwa, die Mitglieder der Minderheit seien unter den Richtern in der Türkei "dominant" und versuchten, "eine neue Religion" zu erfinden. Während des laufenden Wahlkampfes hat Erdogan seinen Herausforderer bisher allerdings nicht offen wegen dessen religiöser Identität angegriffen.
H.Thompson--AT