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Studie zeigt große Mängel im Umgang mit sexualisierter Gewalt im Bistum Essen auf
Im Umgang mit sexualisierter Gewalt ist es im Bistum Essen jahrzehntelang zu erheblichen Versäumnissen gekommen. Das ergab eine am Dienstag veröffentliche Studie des Münchner Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP). Das Institut sichtete dazu Akten seit Bistumsgründung 1958 und führte zahlreiche Interviews. Das Bistum Essen hatte die Studie 2020 in Auftrag gegeben.
Zum Ausmaß des Missbrauchs stellte die Studie fest, dass sich insgesamt 226 Betroffene von sexualisierter Gewalt gemeldet hätten. Rund 25 Prozent seien weiblich. Auf Seiten der Täter gebe es 190 Beschuldigte.
Beschuldigte Täter wurden der Untersuchung zufolge oftmals lediglich auf andere Dienststellen versetzt. Bis 2010 waren demnach seitens des Bistums keine Bemühungen erkennbar, Betroffene von sexualisierter Gewalt zu unterstützen. Sie seien mit der Bewältigung ihrer Erfahrungen allein gelassen geworden. Es seien keine Versuche des Bistums erkennbar, weitere mögliche Betroffene sexualisierter Gewalt durch die beschuldigten Kleriker ausfindig zu machen.
Laut der Studie kam es bei Vorwürfen von sexualisierter Gewalt innerhalb der Kirchengemeinden zu erheblichen Spaltungen. Ein großer Teil der Menschen solidarisierte sich demnach mit dem beschuldigten Pfarrer, während Gewaltbetroffene sozial ausgegrenzt wurden.
Wurden Pfarrer wegen der erhobenen Vorwürfe versetzt, übten sie der Studie zufolge weiter Einfluss auf ihre frühere Gemeinde aus - beispielsweise über unausgesprochene, Jahrzehnte andauernde Schweigegebote hinsichtlich der Vorwürfe. Demnach konnten beschuldigte Pfarrer ein "Informationsmonopol" für sich beanspruchen.
Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck erklärte, die Studie zeige "auf bedrückende Weise", wie die Bistumsstrukturen "sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen" jahrzehntelang begünstigt hätten. Dies zu erkennen sei der erste Schritt - "diese Erkenntnisse auch für uns anzunehmen und in Konsequenzen umzusetzen ist der zweite und noch wichtigere Schritt."
"Wir werden die Empfehlungen sehr ernst nehmen", erklärte der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer. Beispielsweise müssten Pfarreien beim Erstellen von Schutzkonzepten besser unterstützt werden. Er mahnte zudem "erheblichen Professionalisierungs-Bedarf" an. Die Studie zeige das Problem der "Verantwortungsdiffusion" auf. "Niemand weiß so richtig, wer für was welche konkrete Verantwortung trägt."
Für die Studie sichtete das IPP die Aktenbestände des Bistums Essen seit 1958 und führte 68 Interviews mit insgesamt 86 Menschen, darunter acht Betroffene sexualisierter Gewalt. Die Studie soll "ein vertieftes Verständnis" dafür entwickeln, welche Faktoren sexualisierte Gewalt ermöglichten und deren Aufdeckung verhinderten.
Y.Baker--AT