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8,5 Prozent mehr Lohn und 3000 Euro steuerfrei - bei zwei Jahren Laufzeit
Insgesamt 8,5 Prozent mehr Lohn und eine steuerfreie Prämie von 3000 Euro - beides nach und nach ausbezahlt in einem Zeitraum von zwei Jahren: Das ist das Ergebnis nach elfstündigen nächtlichen Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie. Der Pilotabschluss gelang in Baden-Württemberg. Die IG Metall sprach am Freitag von einem "akzeptablen", die Arbeitgeber von einem "schmerzhaften" Kompromiss.
Bei der erwarteten Übernahme des Pilotabschlusses in allen Teilen der Republik bekommen die rund 3,8 Millionen Beschäftigte der Branche deutlich mehr Geld. Ihr Lohn steigt zum 1. Juni kommenden Jahres um 5,2 Prozent und zum 1. Mai 2024 um weitere 3,3 Prozent. Das sind insgesamt 8,5 Prozent - die IG Metall war mit der Forderung von acht Prozent mehr in die Tarifverhandlungen gezogen, hatte allerdings statt 24 Monaten eine Laufzeit von nur zwölf Monaten gefordert.
Die sogenannte Inflationsprämie wird in zwei Schritten ausgezahlt, die Unternehmen können je nach wirtschaftlicher Lage flexibel entscheiden: von Dezember bis März 1500 Euro und weitere 1500 Euro von Dezember 2023 bis März 2024. Die Gewerkschaft schrieb in den Abschluss, dass auf jeden Fall mindestens 750 Euro im Januar aufs Konto der Beschäftigten gehen - wenn die Inflation in Deutschland einen Höhepunkt erreichen dürfte.
Die Arbeitgeber hatten zunächst nur eine Inflationsprämie von 3000 Euro angeboten, Lohnerhöhungen nur vage in Aussicht gestellt und vor allem auf eine lange Laufzeit von 30 Monaten gepocht. Die nun vereinbarte Laufzeit vom 1. Oktober 2022 bis Ende September 2024 biete den Betrieben Planungssicherheit bis weit ins Jahr 2024, betonte der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Harald Marquardt. Der Abschluss sei auch ein "Wechsel auf die Zukunft".
Marquardt betonte zudem die Entlastungsmöglichkeiten für Firmen in schwieriger Lage: Die Arbeitgeber könnten steuern, in welchem Kalenderjahr sie die Inflationsausgleichsprämie auszahlen wollen. "Damit schaffen wir einen sehr großen Hebel bei der Variabilität der Kosten und tragen den unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung." Das in der Branche gezahlte Zusatzgeld von rund 600 Euro kann demnach 2023 und 2024 "geschoben, gekürzt oder gestrichen werden".
Wichtig für die Unternehmen ist demnach auch eine "Energienotfallklausel", die bei einer Gasmangellage oder Gasnotlage wirkt: Auf betrieblicher Ebene sind dann Gespräche verpflichtend, bei einem Scheitern zwischen den Tarifpartnern auf Ebene des Bundeslandes.
"Größter Knackpunkt" in der Verhandlungsnacht seien die tabellenwirksame Lohnerhöhung gewesen, berichtete der IG-Metall-Verhandlungsführer Roman Zitzelsberger. Die Gewerkschaft habe signalisiert, sie könne auch mit langen Laufzeiten leben - "aber alles hat seinen Preis". An diesem Punkt hätten die Gespräche "kurz vor dem Scheitern" gestanden.
Der Vorstand der IG Metall empfahl die Übernahme des Pilotergebnisses in allen Tarifgebieten. Mehrere Bezirke kündigten bereits an, sie strebten dies an.
Hunderttausende Beschäftigte hatten in den vergangenen Wochen mit Warnstreiks und anderen Protestaktionen Druck auf die Arbeitgeberseite gemacht. Die Gewerkschaft hatte bei einem Scheitern der Verhandlungen in der fünften Runde mit 24-Stunden-Streiks gedroht.
Die IG Metall wählt im kommenden Herbst einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin des Vorsitzenden Jörg Hofmann. Zwischen dem erfolgreichen Abschluss in Baden-Württemberg "und dem, was im nächsten Jahr passiert, gibt es keinen Zusammenhang", sagte Zitzelsberger auf die Frage, ob er eine Kandidatur anstrebe. Er werde sich "normal und ordentlich in den Prozess einreihen, der üblich ist in der IG Metall": Der Vorsitzende werde einen Vorschlag machen, "und bis dahin werden sie von mir nichts hören".
S.Jackson--AT