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Reeder warnen vor Auswirkungen des Konflikts in Straße von Hormus auf Lieferketten
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hat vor den Folgen weiterer Störungen bei der Durchfahrt der Straße von Hormus gewarnt. "Freie Schifffahrt ist weder Selbstzweck noch verhandelbar. Über den Seeweg werden Energie, Rohstoffe, Lebensmittel, Medikamente und industrielle Vorprodukte transportiert", erklärte der Verband am Dienstag. "Jede Störung trifft Lieferketten, bringt die Versorgung ins Stocken und verteuert das tägliche Leben, auch in Deutschland."
Dem Verband zufolge saßen zu Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar rund 50 Schiffe in deutschem Eigentum oder unter deutschem Management mit etwa 1000 Seeleuten im Persischen Golf fest. Derzeit befänden sich noch rund 20 Schiffe mit etwa 400 Seeleuten mit deutschem Bezug in der Region.
"Schiffe mit ihren Besatzungen aus dem Gefahrengebiet in Sicherheit zu bringen ist ein erster wichtiger Schritt", erklärte VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger. "Aber früher oder später müssen sie auch wieder sicher zurückkehren können, um dringend benötigte Rohstoffe und Güter zu transportieren." Nur wenn die Straße von Hormus in beiden Richtungen dauerhaft sicher befahrbar sei, "bleiben die Lieferketten funktionsfähig", fuhr er fort.
Im Machtkampf um die strategisch wichtige Straße von Hormus hatte US-Präsident Donald Trump am Montag angekündigt, die USA würden die Kontrolle über die Meerenge übernehmen. Das US-Militär werde "die Schiffe des Iran oder dessen Kunden daran hindern, ein- oder auszulaufen", schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. Für alle anderen Frachtschiffe würden die USA ab sofort eine Abgabe von "20 Prozent auf alle transportierten Güter" erheben.
Der Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und Leiter der Abteilung Makroökonomik am IWH, Oliver Holtemöller, warnte, die Lage im Nahen Osten ändere sich nahezu täglich. "Dies führt zu hoher Unsicherheit bezüglich der weltweiten Versorgung mit Öl und Gas und zu stark schwankenden Ölpreisen", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Allein schon diese Unsicherheit hat negative wirtschaftliche Folgen, weil sie insbesondere Investitionsentscheidungen erschwert."
Wenn die von Trump angekündigte Maut dazu führe, "dass tatsächlich eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus dauerhaft gewährleistet wird, muss man den positiven Effekt der Reduktion von Unsicherheit aufgrund der dann sicheren Passage und den negativen Effekt der Mautkosten gegeneinander abwägen", sagte Holtemöller. Er gehe aber ohnehin davon aus, dass die Lage "weiterhin sehr unsicher bleibt und keine schnelle dauerhafte Lösung" gefunden werde.
VDR-Hauptgeschäftsführer Kröger warnte vor zunehmenden Sicherheitsrisiken für die internationale Handelsschifffahrt auf mehreren strategischen Seewegen. "Heute ist es die Straße von Hormus, morgen möglicherweise die Straße von Malakka, die Taiwanstraße oder eine andere strategisch wichtige Meerenge", sagte Kröger. Freie und sichere Schifffahrt sei die Grundlage für den Welthandel und damit auch der Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa.
Der Ölpreis war nach Trumps Ankündigung am Montag bereits deutlich gestiegen. Am Dienstag ging es weiter aufwärts: In der Mittagszeit kletterte der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zwischenzeitlich um mehr als fünf Prozent auf 87,51 Dollar. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 3,9 Prozent auf 81,21 Dollar zu.
Th.Gonzalez--AT