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Kiew wirft Moskau "Energie-Terrorismus" und "Deportationen" vor
Angesichts der Angriffe auf die Energie-Infrastruktur und Evakuierungen in den besetzten Gebieten hat die Ukraine Russland "Energie-Terrorismus" und "massenhafte Zwangsumsiedlungen" vorgeworfen. Fast 4,5 Millionen Menschen in der Ukraine waren nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Nacht zum Freitag zeitweise von der Stromversorgung abgeschnitten. Derweil begann die russische Besatzungsverwaltung nach Angaben des Außenministeriums in Kiew damit, Bürger aus der Region Cherson auf die annektierte Halbinsel Krim oder nach Russland zu bringen.
Laut Selenskyj waren die ukrainische Hauptstadt Kiew sowie zehn weitere Regionen von den Stromausfällen nach russischen Angriffen betroffen. Der ukrainische Präsident wertete die Attacken auf die Energieversorgung als Beleg für die "Schwäche unseres Feindes": "Sie können die Ukraine nicht auf dem Schlachtfeld schlagen, also versuchen sie, unser Volk auf diese Weise zu brechen."
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und ihre Kollegen aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Kanada verurteilten die Angriffe auf die zivile Infrastruktur in der Ukraine. Damit versuche Moskau, "die Zivilbevölkerung zu terrorisieren", erklärten sie nach einem G7-Treffen in Münster.
Das ukrainische Außenministerium prangerte indes "Deportationen" ukrainischer Bürger durch Russland an. Ähnliche "Abschiebungen" wie in Cherson würden "auch in den Regionen Saporischschja, Luhansk und Donezk sowie auf der Krim vorgenommen", hieß es. Das Ministerium beklagte zudem Plünderungen durch die russischen Soldaten in den betroffenen Regionen.
Die von Moskau eingesetzten Behörden in Cherson hatten am Dienstag weitere Evakuierungen angekündigt, nachdem in der vergangenen Woche bereits rund 70.000 Zivilisten die Region verlassen hatten. Wie das russische Verteidigungsministerium am Freitag erklärte, werden täglich "mehr als 5000 Zivilisten" aus der Region abtransportiert. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur von Cherson, Wladimir Saldo, begründete dies mit dem Risiko "massiver Raketenangriffe" der vorrückenden ukrainischen Armee.
Der russische Präsident Wladimir Putin bekräftigte am Freitag, die Einwohner Chersons "sollten aus den Gebieten gefährlicher Kämpfe entfernt werden". Die Zivilisten "sollten nicht unter Beschuss, einer Gegenoffensive oder solchen Dingen leiden", sagte er in Moskau.
Verwirrung gab es zwischenzeitlich um eine mögliche Ausgangssperre in der Stadt Cherson. Ein ranghoher Vertreter der pro-russischen Behörden in Cherson, Kirill Stremussow, gab im Onlinedienst Telegram bekannt, eine rund um die Uhr geltende Ausgangssperre sei verhängt worden, "damit wir unsere Stadt verteidigen können". Wenige Minuten darauf löschte Stremussow den Beitrag und erklärte später, es gebe in der Region Cherson "keine Einschränkungen" für die Bewohner.
Putin zeigte sich derweil zufrieden mit der im September begonnenen Teilmobilmachung. Bereits 318.000 Menschen seien mobilisiert worden, womit die Zielmarke von 300.000 Menschen übertroffen wäre. "Die Zahl der Freiwilligen nimmt nicht ab", sagte Putin.
49.000 Menschen sind Putin zufolge in Militäreinheiten im Einsatz, die in der Ukraine kämpfen. Ende Oktober hatte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu von 41.000 Menschen gesprochen.
Nach Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Februar waren zehntausende Russen aus dem Land geflohen. Eine zweite Fluchtwelle erfolgte, nachdem Putin am 21. September die Mobilmachung von 300.000 Reservisten verkündete.
R.Lee--AT