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"Der Vogel ist befreit": Musk kauft Twitter nach monatelangem Übernahme-Thriller
"Der Vogel ist befreit": Nach der Übernahme durch High-Tech-Milliardär Elon Musk steuert der Kurzbotschaftendienst Twitter einer ungewissen Zukunft entgegen. Musk kaufte die Online-Plattform am Donnerstag für 44 Milliarden Dollar (rund 44 Milliarden Euro) und feuerte laut Medienberichten umgehend Twitter-Chef Parag Agrawal und weitere wichtige Führungskräfte. Rechte Politiker begrüßten am Freitag die Übernahme - unter ihnen der Anfang 2021 von Twitter verbannte Ex-US-Präsident Donald Trump.
"Ich bin sehr glücklich, dass Twitter sich jetzt in vernünftigen Händen befindet", schrieb Trump, der eine erneute Präsidentschaftskandidatur 2024 erwägt, auf der von ihm mitgegründeten Online-Plattform Truth Social. Twitter werde damit nicht länger von "linksradikalen Verrückten und Irren geführt, die wirklich unser Land hassen".
Musk kommentierte den Kauf, mit dem ein monatelanger Übernahme-Thriller zu Ende geht, zunächst nur mit einem kurzen Tweet: "Der Vogel ist befreit", schrieb der Chef des Elektroautobauers Tesla und reichste Mensch der Welt mit Blick auf das Logo des Kurzbotschaftendienstes. Später fügte er an die Adresse seiner mehr als 110 Millionen Twitter-Follower hinzu: "Let the good times roll", frei übersetzt etwa: "Lasst uns Spaß haben".
Kritiker befürchten, dass Musk die Moderation von Inhalten im Kampf gegen Hassrede, Online-Mobbing und die Verbreitung von Falschinformationen drastisch zurückfahren könnte. Der streitbare Unternehmer gibt sich als radikaler Vertreter des Rechts auf Redefreiheit und hat Twitter in der Vergangenheit vorgeworfen, die Meinungsfreiheit einzuschränken.
Im Mai sorgte Musk mit der Ankündigung für Aufsehen, er wolle Trumps Verbannung von Twitter zurücknehmen. Trumps Twitter-Konto war nach dem Angriff radikaler Anhänger des abgewählten Präsidenten auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 gesperrt worden.
Beobachter warnen, unter Musk könnten sich künftig Extremisten und Verschwörungstheoretiker ungestört auf Twitter austoben. Die Rechtsaußen-Abgeordnete Marjorie Taylor Greene schrieb als Reaktion auf die Übernahme durch Musk: "Redefreiheit!!!!"
Musk hatte am Donnerstag erklärt, mit dem Kauf der Plattform "gesunde" Debatten im Internet "über eine große Bandbreite an Überzeugungen" ermöglichen zu wollen. Twitter dürfte aber nicht zu einer "anarchischen Hölle werden, in der alles ohne Konsequenzen gesagt werden kann".
Die EU-Kommission warnte Musk am Freitag, Twitter werde sich auch in Zukunft an EU-Regeln halten müssen. "In Europa fliegt der Vogel nach unseren europäischen Regeln", erklärte Industriekommissar Thierry Breton. Er verwies auf erst kürzlich endgültig verabschiedete neue Regeln für Online-Plattformen, mit denen unter anderem gegen Hassbotschaften und Falschinformationen vorgegangen werden soll.
Musk hatte im April angekündigt, Twitter für 44 Milliarden Dollar kaufen und von der Börse nehmen zu wollen. Im Juli machte der 51-Jährige, der auch an der Spitze des Raumfahrtunternehmens SpaceX steht, aber einen Rückzieher und erklärte zur Begründung, Twitter habe falsche Angaben zur Zahl der Spam- und Fake-Konten bei dem Netzwerk gemacht. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück und zog vor Gericht, um den Multimilliardär zum Vollzug der Übernahme zu zwingen.
Anfang Oktober kündigte Musk dann an, Twitter doch wie ursprünglich geplant kaufen zu wollen. Eine Richterin setzt dafür den Freitag als Frist. Der Handel mit Twitter-Aktien an der New Yorker Börse wurde am Freitag wie angekündigt ausgesetzt.
Twitter ist zwar eine äußerst wichtige Plattform, weil sie von vielen Politikern und anderen einflussreichen Persönlichkeiten genutzt wird. Das Netzwerk hat aber nur rund 238 Millionen täglich aktive Nutzer und damit deutlich weniger als andere Plattformen wie beispielsweise Facebook. Twitter enttäuschte zudem immer wieder mit seinen Geschäftszahlen. Musk hat versprochen, den Dienst zu neuer Größe führen zu wollen. Im Juni rief er das Ziel von einer Milliarde Nutzern aus.
R.Lee--AT