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Kinderschutzbund gegen pauschale Zugangsbeschränkungen bei Social Media
Der Kinderschutzbund sieht das EU-Konzept für ein Social-Media-Verbot kritisch und ist gegen pauschale Zugangsbeschränkungen. "Gerade für Jugendliche, die zu Hause wenig Unterstützung erfahren, in belasteten Familien leben oder online wichtige soziale Kontakte und Beratung finden, können digitale Räume besonders wichtig sein", sagte die Präsidentin des Kinderschutzbundes, Sabine Andresen, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Freitagsausgaben). "Ihr Zugang darf nicht allein von der Zustimmung und den Möglichkeiten ihrer Eltern abhängen."
Auch die entscheidenden technischen Fragen seien bislang nicht gelöst, mahnte Andresen. Es gebe derzeit kein Verfahren zur Altersfeststellung, das zuverlässig, datensparsam, sicher und diskriminierungsfrei funktioniere. "Ein weitreichender Eingriff in die digitale Teilhabe von Kindern sollte deshalb nicht auf technischen Lösungen beruhen, die es in dieser Form noch gar nicht gibt."
Positiv bewertete der Kinderschutzbund allerdings die Bemühungen, die Plattformen mehr in die Pflicht zu nehmen. "Kinder müssen vor suchtförderndem Design, manipulativen Mechanismen und riskanten Empfehlungssystemen geschützt werden – und zwar durch verbindliche Standards, die schon bei der Entwicklung der Angebote greifen", sagte die Verbandschefin.
Die EU-Kommission will die Social-Media-Nutzung für Kinder und Jugendliche deutlich beschränken. Bis zum Alter von 13 Jahren sollen Kinder weder eigene Accounts noch Geräte haben. Jugendliche ab 13 Jahren sollen zunächst nur eine Stunde am Tag von ihren Eltern eingerichtete und beaufsichtigte "Mini-Konten" nutzen dürfen. Eigene Nutzerkonten sollten grundsätzlich erst ab 15 Jahren möglich sein. Die Onlineanbieter müssen demnach das Alter kontrollieren. Außerdem sollen die Plattformen künftig mit verschiedenen Funktionen und Voreinstellungen nachweisen müssen, dass sie sicher für Kinder und Jugendliche sind.
Die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz (Freie Wähler), lobte das EU-Konzept. "Der altersgestufte Ansatz weist aus meiner Sicht in die richtige Richtung: Je jünger Kinder sind, desto mehr Schutz brauchen sie", sagte die bayerische Kultusministerin dem RND. "Kinder und Jugendliche sollen die Chancen der digitalen Welt nutzen können, ohne ihren Risiken schutzlos ausgeliefert zu sein." Deshalb sei es richtig, dass die EU bei dem Thema jetzt vorangehe.
"Kinder und Jugendliche brauchen Medienkompetenz und Orientierung, aber ebenso wirksamen Schutz vor den Risiken sozialer Medien", mahnte Stolz. "Das können Schulen und Eltern nicht allein leisten." Umso wichtiger sei es, "dass auch die Plattformen stärker in die Verantwortung genommen werden".
Th.Gonzalez--AT