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Essen im Restaurant: Senkung der Mehrwertsteuer führt nicht zu niedrigeren Preisen
Die seit Jahresbeginn abgesenkte Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants hat laut einer Studie im Auftrag der Gastro-Gewerkschaft NGG nicht zu niedrigeren Preisen für Verbraucherinnen und Verbraucher geführt. Nur ein Prozent der untersuchten Gerichte wurde günstiger, wie aus der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Studie hervorgeht. Gleichzeitig gingen viele Beschäftigte der Branche angesichts einer hohen Arbeitsbelastung zunehmend "auf dem Zahnfleisch", kritisierte die Gewerkschaft.
Laut der Preisstudie, für die das Beratungsunternehmen WMP Consult im Auftrag der NGG die Kosten für rund 180.000 Gerichte in 12.000 Restaurants vor und nach der Steuersenkung verglich, blieben die Preise in 91 Prozent der Fälle unverändert. Und bei acht Prozent der Speisen wurden sogar Preissteigerungen festgestellt - besonders häufig verteuerten sich demnach Bowls (14 Prozent), Schnitzel (elf Prozent) und Steaks (zehn Prozent).
Im Durchschnitt seien die Preise um 0,5 Prozent gestiegen, erklärte die NGG. "Von der Mehrwertsteuersenkung profitieren Restaurantgäste damit nicht."
Die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie war von der Bundesregierung zum 1. Januar 2026 von 19 Prozent dauerhaft auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent abgesenkt worden. Zweck war nach Regierungsangaben, gezielt die Gastronomiebranche zu stärken, die in den vergangenen Jahren durch sinkende Umsätze und steigende Kosten zunehmend unter Druck geraten war - aber auch die Bürgerinnen und Bürger würden die Maßnahme "in ihrem Portemonnaie spüren", wie ein Regierungssprecher im vergangenen September gesagt hatte.
Tatsächlich sei jedoch nichts bei den Verbrauchern angekommen, monierte nun NGG-Chef Guido Zeitler. Kritisch sei zudem, dass auch die Beschäftigten bisher nicht "von dem Steuergeschenk für die Branche" profitiert hätten. In den laufenden Tarifverhandlungen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) erlebe die NGG eine große Blockadehaltung bei Lohnerhöhungen.
Zugleich sei die Arbeitsbelastung für die Beschäftigten hoch, führte der NGG-Referatsleiter für das Gastgewerbe, Mark Baumeister, aus. Dass laut einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung der Gewerkschaft 71 Prozent der Befragten überlegen, die Branche zu verlassen, sei ein "Alarmsignal", sagte er.
Laut der Erhebung, für die im Juni und Juli insgesamt 2120 Beschäftigte der Branche befragt wurden, arbeitet fast jeder Zweite regelmäßig acht bis zehn Stunden täglich, zehn Prozent sogar noch länger. 79 Prozent berichten überdies von kurzfristigen Dienstplanänderungen, die die Vereinbarkeit mit Familie und Privatleben erschweren. Vor diesem Hintergrund spricht sich mit 96 Prozent die große Mehrheit der Befragten für eine Begrenzung der täglichen Höchstarbeitszeit aus. "Die Menschen brennen für die Branche, aber sie wollen für die Branche nicht verbrannt werden", sagte Baumeister.
Grundsätzlich sieht die Gewerkschaft die Arbeitgeber in der Pflicht, bei Löhnen und Arbeitsbedingungen nachzulegen - auch da sie die steuerliche Entlastung bislang für sich behalten hätten. Die Forderungen der Gewerkschaft umfassen neben besseren Einkommen für die Beschäftigten und einem Erhalt des Arbeitszeitgesetzes und des Acht-Stunden-Tages auch eine stärkere Tarifbindung - ebenso wie Maßnahmen zur langfristigen Sicherung von Fachkräften.
E.Rodriguez--AT