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EZB hebt Leitzinsen erstmals seit 2023 wieder an - Einlagenzins bei 2,25 Prozent
Die steigenden Preise wegen des Iran-Krieges haben die Europäische Zentralbank (EZB) zur ersten Leitzinserhöhung seit September 2023 veranlasst. Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag "einstimmig", die drei Leitzinssätze um jeweils 0,25 Prozentpunkte zu erhöhen, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte. Der für Sparer wichtige Einlagenzins liegt damit bei 2,25 Prozent. Das Echo in Deutschland auf die Entscheidung ist geteilt - denn die Folgen des Krieges setzen auch die Wirtschaft unter Druck.
Die Inflation sei "zu hoch", sagte Lagarde bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main und bekräftigte, dass die EZB fest entschlossen sei, die Teuerungsrate auf mittlere Sicht wieder in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der Zentralbank zu bringen. Im Mai war die Inflation in der Eurozone auf 3,2 Prozent geklettert, vor allem wegen teurerer Energiepreise infolge des Iran-Krieges.
Die Bewahrung der Preisstabilität in der Eurozone ist die wichtigste Aufgabe der Zentralbank, wobei sich höhere Leitzinsen in der Regel dämpfend auf die Inflation auswirken. Analysten und Märkte hatten deshalb bereits im Vorfeld der EZB-Ratssitzung mit der ersten Leitzinserhöhung seit September 2023 gerechnet.
Wie die Zentralbank nun mitteilte, steigt der Einlagenzinssatz von 2,0 auf 2,25 Prozent. Auch die beiden anderen Leitzinssätze der EZB werden angehoben: Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von der EZB leihen können, klettert auf 2,40 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz zur kurzfristigen Beschaffung von Geld bei der Zentralbank auf 2,65 Prozent.
Für das Jahr 2026 geht die EZB einer neuen Projektion zufolge von einer durchschnittlichen Inflation in der Eurozone von 3,0 Prozent aus; im März hatte sie noch 2,6 Prozent erwartet und im Dezember gar nur 1,9 Prozent. Gleichzeitig geht die EZB mit Blick auf die Wirtschaft in der Eurozone von einer geringeren Wachstumsrate als zuvor aus: Erwartet werden nun durchschnittlich 0,8 Prozent für 2026; im März hatte die Zentralbank mit 0,9 Prozent gerechnet.
Der Bundesverband deutscher Banken begrüßte die Zinsentscheidung der EZB. Die Zentralbank habe "Fingerspitzengefühl" bewiesen, die Erhöhung sei "absolut nachvollziehbar und mit Blick auf die Preisentwicklung im Euroraum sehr passend", erklärte Hauptgeschäftsführer Heiner Herkenhoff. "Anders als während des starken Inflationsanstiegs in den Jahren 2021 und 2022 reagieren die europäischen Währungshüter diesmal auf der Höhe des Geschehens."
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer bezeichnete die Erhöhung als "nachvollziehbar". Jedoch treffe sie die deutschen Unternehmen "in einer tiefen strukturellen und konjunkturellen Krise", gab Chefanalyst Volker Treier zu bedenken. "Während die Wirtschaft im restlichen Euroraum immerhin leicht wächst, stagniert die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland bei steigenden Preisen."
Von Wirtschaftsverbänden befürchtet wird insbesondere, dass sich für Unternehmen durch die höheren Zinsen die Finanzierungsbedingungen für wichtige Investitionen verschlechtern könnten. Auch das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung warnte vor einem Dämpfer für die Wirtschaft.
Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Ulrich Reuter, bezeichnete die EZB-Entscheidung indes als wichtiges Zeichen: "In einer Phase geopolitischer Spannungen und steigender Unsicherheit setzt die EZB ein Signal für Stabilität", erklärte er.
H.Thompson--AT