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Experten rechnen trotz Iran-Waffenruhe noch monatelang mit wirtschaftlichen Folgen
Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges gegen den Iran werden voraussichtlich noch monatelang zu spüren sein. Der Chef der Internationalen Energie-Agentur, Fatih Birol, sprach von "vielen Monaten, wenn nicht Jahren", die eine Normalisierung dauern werde. Energieanalysten hoben die Lage bei Flüssigerdgas (LNG) hervor: Viele Produktionsanlagen in Nahost seien beschädigt. Der Reeder Hapag-Lloyd, kündigte an, die Straße von Hormus vorerst weiter zu meiden.
"Es wird Zeit brauchen, die stillgelegten Anlagen sicher wieder in Betrieb zu nehmen", sagte IEA-Chef Birol der "Süddeutschen Zeitung". "Auch die Tanker, die die Golfregion verlassen, benötigen Zeit, um ihre Zielmärkte zu erreichen. Für Südasien dauert dies nur wenige Tage, für weiter entfernte Märkte in Asien und Europa jedoch mehrere Wochen."
Er hoffe, dass die Straße von Hormus bis Ende April wieder vollständig geöffnet werde. "Je länger sie geschlossen bleibt, desto schmerzhafter wird es, und desto schwieriger wird die Rückkehr zum Vorkriegszustand", sagte Birol weiter.
Hapag-Lloyd begrüßte, dass es "offenbar einige Fortschritte" bei Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran gegeben habe. "Dennoch bleibt die Lage rund um die Straße von Hormus weiterhin angespannt. Ob die angekündigte Öffnung tatsächlich Bestand haben wird, wird sich in den kommenden Tagen zeigen." Es werde weiter geprüft, wann "Zeitpunkt eine Durchfahrt wieder möglich sein wird".
"Der Waffenstillstand ist zu begrüßen, doch sollten die europäischen Gasmärkte die kurzfristige Entlastung bei den Preisen nicht mit dauerhafter Stabilität verwechseln", erklärte die Energiespezialistin Ana Maria Jaller-Makarewicz von der US-Energiedenkfabrik IEEFA. Der Weltmarkt für LNG sei "strukturell beschädigt". Katar, einer der weltweit wichtigsten LNG-Produzenten, "hat darauf hingewiesen, dass die Reparaturarbeiten und die Wiederherstellung der Versorgung Jahre dauern werden".
Auch wegen der sehr niedrigen Füllstände der europäischen Gasspeicher gehe sie in den kommenden Tagen von weiter steigenden Preisen aus, ergänzte Jaller-Makarewicz. Die Strategie, infolge der Gaskrise 2022 wegen ausbleibender Pipeline-Lieferungen aus Russland auf LNG zu setzen, sei gescheitert - nun sei Europa "den globalen LNG-Märkten ausgeliefert".
"Haushalte verbrauchen mindestens ein Viertel der Gasversorgung in Europa, und es gibt alternative Technologien, von Wärmepumpen bis hin zu besserer Wärmedämmung", erklärte die Analystin. "Gas sollte den Sektoren vorbehalten bleiben, in denen Alternativen teuer sind. Das Heizen von Wohnungen mit Gas ist so, als würde man seine Wasserleitungen mit Champagner betreiben."
W.Nelson--AT