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Studie: Vier-Tage-Woche spielt in Stellenanzeigen bislang kaum eine Rolle
Die in der Debatte über Arbeitszeiten kontrovers diskutierte Vier-Tage-Woche spielt einer Studie zufolge in der Praxis bislang nur eine verschwindend geringe Rolle. Lediglich in 0,12 Prozent der untersuchten Stellenanzeigen sei das Arbeitszeitmodell im vergangenen Jahr tatsächlich angeboten worden, teilte die Bertelsmann-Stiftung am Donnerstag mit. Gleichwohl könne die Vier-Tage-Woche gerade in Berufen mit festen Abläufen und hoher körperlicher Belastung die Work-Life-Balance verbessern - im Kampf gegen Fachkräftemangel sei allerdings "eine Vielzahl flexibler Arbeitszeitmodelle" nötig.
Unter der Vier-Tage-Woche werden - anders als Teilzeitregelungen - Modelle verstanden, bei denen die Wochenarbeitszeit einer Vollzeitstelle auf vier Tage verteilt wird. Dabei gibt es laut Bertelsmann-Stiftung einerseits das sogenannte belgische Modell, bei dem eine 40-Stunden-Woche auf täglich zehn Arbeitsstunden aufgesplittet wird, und andererseits das Modell einer auf 32 Stunden reduzierten Wochenarbeitszeit bei vollem Gehalt.
Während erstgenanntes Modell "weitgehend akzeptiert" sei, bleibe die Variante mit einer verkürzten Wochenarbeitszeit auf bis zu 32 Wochenstunden umstritten, erklärte die Stiftung und verwies darauf, dass Kritiker eine Einschränkung der gesamtwirtschaftlichen Leistungsfähigkeit befürchten, wohingegen Befürworter einen wirksamen Hebel zur Steigerung der Attraktivität von Erwerbsarbeit sehen.
Allerdings drehe sich die Debatte bislang "um einen Scheinriesen", erklärte die Bertelsmann-Stiftung weiter. Denn laut der Untersuchung, für die mit Hilfe des Jobmonitors der Stiftung 34 Millionen Jobangebote ausgewertet wurden, wurde die Vier-Tage-Woche 2024 nur in einer von tausend Stellenanzeigen tatsächlich angeboten; als verkürzte Vollzeit kam sie demnach sogar nur in einer von 20.000 Stellen vor.
Die Option, nur vier Tage pro Woche zu arbeiten, bieten Arbeitgeber demnach vor allem in Berufen an, in denen andere Möglichkeiten für flexibles Arbeiten eingeschränkt sind. Beispielsweise tauche die Vier-Tage-Woche "in männerdominierten Fachkraftberufen wie dem Innenausbau" überdurchschnittlich oft in Stellenanzeigen auf, erklärte die Bertelsmann-Stiftung. Auch in sogenannten Engpassberufen wie etwa der medizinischen Gesundheitsversorgung wird das Modell demnach fast drei Mal so oft beworben wie in Berufen ohne Fachkräftemangel.
Die Vier-Tage-Woche sei bislang vor allem "eine Möglichkeit, um schwer zu besetzende Stellen attraktiver zu machen beziehungsweise qualifiziertes Personal zu binden", erklärte die Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann-Stiftung, Larissa Klemme. "Gerade in Berufen mit festen Abläufen und hoher körperlicher Belastung kann die Vier-Tage-Woche die Work-Life-Balance verbessern, da das längere Wochenende mehr Erholung schafft.“
Die Vier-Tage-Woche sei "ein Mosaikstein im Streben nach einer stärkeren Flexibilisierung der Arbeitszeiten", erklärte die Stiftung weiter. Sie riet den Tarifparteien, Modelle mit mehr individueller Wahlfreiheit zu vereinbaren, "ohne starre Vorgaben für alle Betriebe".
Aktuell ist die Arbeitszeit für Beschäftigte in Deutschland auf acht Stunden pro Tag begrenzt. In Ausnahmefällen ist eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden möglich, zum Beispiel, wenn dies später wieder ausgeglichen wird. Für die Wochenarbeitszeit gilt zudem eine Obergrenze von 48 Stunden - auch hier gibt es allerdings Ausnahmeregelungen. Laut Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD soll eine wöchentliche Höchstarbeitszeit die Acht-Stunden-Tag-Regelung ablösen.
R.Lee--AT