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Kinder und Jugendliche im Netz Gefahren wie Mobbing und Belästigung ausgesetzt
Kinder und Jugendliche sind laut dem Jugendschutzkompetenzzentrum von Bund und Ländern im Internet Gefahren wie Mobbing oder Belästigung ausgesetzt. Anbieter vernachlässigten jedoch eine ausreichende Vorsorge, teilte jugendschutz.net am Dienstag in seinem Jahresbericht mit.
"Wir erleben tagtäglich, wie das Netz missbraucht wird, um demokratiefeindliche Verschwörungsnarrative zu verbreiten, gegen queere Menschen zu hetzen oder Kinder sexuell zu belästigen", erklärte Stefan Glaser, Leiter von jugendschutz.net. Häufig verschärften die Anbieter die Spirale von Gefährdungen durch neue Funktionen, mit denen sie eigentlich attraktive Nutzungserlebnisse schaffen wollten.
Zwar hätten einige Dienste ihre Maßnahmen optimiert, dies reiche aber nicht aus. "Der Schutz von Kindern und Jugendlichen spielt für die Betreiber großer Plattformen anscheinend nur eine untergeordnete Rolle", kritisierte Glaser. Er müsse als zentraler Wert in den Unternehmensphilosophien verankert werden.
Extremisten und Populisten verbänden rassistisches Gedankengut mit Themen, für die sich junge Menschen interessierten, warnte Bundesjugendministerin Lisa Paus (Grüne). Im Zentrum von Hass stünden immer häufiger Menschen aus der queeren Community. Betreiber seien in der Verantwortung, Hetze auf ihren Plattformen konsequent zu unterbinden.
Zudem ist laut der rheinland-pfälzischen Jugendministerin Katharina Binz (Grüne) sexualisierte Gewalt im Netz ein großes Problem. Dabei gehe es nicht nur um die Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen, sondern auch um Belästigung von Kindern in Livechats oder Tanzvideos. Gemeinsam müsse gewährleistet werden, dass sich Heranwachsende auch im Rahmen der Entwicklung ihrer sexuellen und sozialen Identität unbeschadet im Netz bewegen können.
Zur Realität in sozialen Netzwerken gehörten auch Desinformation und jugendgefährdende Challenges, erklärte Marc Jan Eumann, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz. Immer jüngere Kinder nutzten immer häufiger und länger die Dienste. Anbieter müssten sicherstellen, dass Inhalte altersgerecht ausgespielt werden. Mit der Entwicklung von künstlicher Intelligenz seien neue Gefährdungen zu erwarten.
Nach Angaben von jugendschutz.net wurden der Stelle im vergangenen Jahr 7363 Verstöße gemeldet. 66 Prozent davon betrafen sexuelle Gewalt. Dahinter folgen politischer Extremismus mit 13 Prozent, Pornografie mit acht Prozent, Selbstgefährdung mit sieben Prozent, Gewalt mit fünf Prozent und Cybermobbing mit einem Prozent. 104 Fälle wurden zur Indizierung an die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz sowie 2219 Fälle an das Bundeskriminalamt abgegeben. 90 Prozent der Verstöße waren zum Jahresende beseitigt.
A.Taylor--AT