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Frankreich sieht Camembert durch EU-Gesetz bedroht
Zwischen Frankreich und der EU ist ein Streit über die traditionelle Holzschachtel für den Camembert entbrannt. Die französische Europaministerin Laurence Boone und mehrere Europaabgeordnete kündigten am Mittwoch Protest gegen ein geplantes EU-Gesetz gegen Verpackungsmüll an, das auch die traditionelle Camembert-Schachtel betreffen würde. Das Gesetz sieht vor, dass bis 2030 alle Verpackungen in der EU recycelbar sein müssen.
"Wenn man Europa vor den Wahlen zur Karikatur machen will, dann fängt man an, die Camembert-Hersteller mit ihren Holzverpackungen zu nerven", kritisierte die französische Ministerin Boone. Die EU brauche "ein bisschen pragmatischen Realismus".
Für die Holzschachteln gebe es bislang keine etablierten Recycling-Verfahren, erklärte die liberale französische Europaabgeordnete Stéphanie Yon-Courtin. Es sei "zu kostspielig", nun Verfahren zu entwickeln. Ihre Fraktion reichte auf Drängen der französischen Delegation einen Änderungsantrag ein, wonach alle Verpackungen aus Holz und Wachs von der geplanten Recycling-Pflicht ausgenommen wären.
Das beträfe neben den Camembert-Schachteln auch Holzverpackungen weiterer Käsesorten, Körbe für Erdbeeren und Austern und die Wachshülle um den Käse der Marke Babybel. Nach Ansicht der Abgeordneten soll die EU-Kommission zunächst die Auswirkungen dieser Verpackungen auf die Umwelt untersuchen. Neben der Fraktion der Liberalen meldeten drei weitere französische Abgeordnete Änderungsanträge an, um Ausnahmen für Verpackungen aus Holz durchzusetzen.
"Es sollte der Anspruch bleiben, dass auch die Holzverpackung um den Camembert recycelbar bleibt", erklärte dagegen die umweltpolitische Sprecherin der SPD im Europaparlament, Delara Burkhardt. Mehrere Abgeordnete berichteten im Zusammenhang mit dem Gesetz über massives Lobbying der Verpackungsindustrie. Der Umweltausschussvorsitzende Pascal Canfin (Liberale) sprach von "lügnerischen Berichten" der Unternehmen. Die Verpackungsindustrie macht in der EU jährlich Umsätze in Höhe von 355 Milliarden Euro.
Mit dem Gesetz will die EU den Verpackungsmüll reduzieren, aktuell kommen auf jeden Menschen in der EU pro Jahr im Schnitt rund 190 Kilogramm. Der Umweltausschuss des Europaparlaments hatte seinen Entwurf Ende Oktober eigentlich bereits angenommen. Über die Änderungsanträge stimmt das Parlament in der kommenden Woche ab, dann geht das Gesetz in die Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten.
W.Morales--AT