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Evenepoel wird zur Bergziege: "Mein rechtes Ohr klingelt"
Kann Remco Evenepoel Hochgebirge? Diese Frage hatte der verbliebene der beiden Red-Bull-Kapitäne bei der 113. Tour der France schon mit dem Etappensieg am Sonntag auf dem Plateau de Solaison eindrucksvoll bejaht. Auf dem Anstieg aller Anstiege ließ der belgische Star des deutschen Teams aber auch die letzten Zweifler verstummen: Schneller als der Olympiasieger flog nur Sieger Tadej Pogacar am Freitag nach Alpe d'Huez hinauf.
"Ich bin superglücklich, dass ich damit den zweiten Platz in der Gesamtwertung gefestigt habe", sagte der 26-Jährige im belgischen Fernsehen nach seinem sechsten Rang im Tagesklassement, mit dem er seinen Kontrahenten, vornehmlich den Mexikaner Isaac del Toro und den Franzosen Paul Seixas, erneut Zeit abgenommen hatte.
Mit 7:11 Minuten Rückstand auf Pogacar, aber deutlich vor dessen Teamkollege del Toro (+9:42) und Seixas (+10:06) geht Evenepoel in die letzte schwere Bergetappe, die am Samstag ebenfalls in Alpe d'Huez endet. Es sieht ganz danach aus, als könne Evenepoel nach Platz drei 2024 im Ausweich-Zielort Nizza nun in Paris am Sonntag erneut und eine Stufe höher auf dem Podium stehen.
Es wäre die beste Tour-Platzierung in der Geschichte der Raublinger Mannschaft. 2019 war Emanuel Buchmann Vierter geworden, im Vorjahr landete dann Florian Lipowitz auf Rang drei und damit als erster RB-Profi auf dem Podest. Und nach Lipowitz' Sturz-Aus am Dienstag im Einzelzeitfahren ist nun Star-Einkauf Evenepoel der Mann, der den nächsten Schritt in Richtung Traumziel Tour-Sieg geht.
Allerdings wäre am Freitag für Evenepoel durchaus ein noch größerer Zeitgewinn drin gewesen. "Ich wurde bei meiner Attacke von Fans und Motorrädern blockiert", sagte Evenepoel. Und auch Teamchef Ralph Denk bestätigte im Team-Podcast: "Er ist da richtig aufgehalten worden, das hat ihn auch massiv Zeit gekostet."
Für Evenepoel kam das Problem nicht überraschend. "Es war abzusehen, dass bei all diesen Leuten etwas schiefgehen würde. Schade nur, dass es ausgerechnet mich getroffen hat", sagte er. Dennoch sei seine Alpe-d'Huez-Premiere vor einer halben Million Fans an den mythischen 21 Kehren eine wunderschöne Erfahrung gewesen. "Mein rechtes Ohr klingelt immer noch - links trage ich ja zum Glück einen Stöpsel", sagte er.
Am Sonntag könnte er in Paris als erster Belgier seit Lucien Van Impe 1981 die Tour auf Platz zwei beenden. Für Evenepoel wäre das eine große Genugtuung. Dem weltbesten Zeitfahrer hatten viele Experten prognostiziert, an den langen Anstiegen nicht mit den Allerbesten mithalten zu können. Nun ist nur der Allerallerbeste besser.
"Es war unmöglich, Tadej zu folgen", sagte Evenepoel, "aber es ist zu erwarten gewesen, dass er wieder eine verrückte Aktion startet."
A.Anderson--AT